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Main Data
Author: Asmus Finzen
Title: Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen Einführung in die Therapie mit Psychopharmaka
Publisher: Psychiatrie-Verlag
ISBN/ISSN: 9783884142264
Edition: 13
Price: CHF 18.60
Publication date: 01/01/2001
Content
Category: Medizin & Pharmazie
Language: German
Technical Data
Pages: 280
Kopierschutz: Wasserzeichen/DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF
Table of contents

Durch eine umfangreiche Neubearbeitung hat Asmus Finzen seinen »Klassiker« Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen wieder auf den neuesten Stand gebracht. In der Psychopharmakotherapie hat sich im letzten Jahrzehnt ungleich mehr bewegt als in den Jahrzehnten davor, das gilt insbesondere für die Einführung neuer Antidepressiva und Neuroleptika, aber auch für das Wissen davon, wie diese Medikamente wirken. Die Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen ist eine komplexe Angelegenheit. Sie verlangt nicht nur umfassende Kenntnisse und Erfahrungen, mehr noch als sonst in der Medizin ist Gespür für Zweifel und Ängste der Kranken unabdingbar – und die Bereitschaft, mit Empathie und klärenden Worten darauf einzugehen. Dieses Buch hilft dabei: Es ist ein Buch über Psychopharmaka, ihre Wirkungsweise, ihre Nebenwirkungen. Vor allem aber ist es ein Buch über den verantwortlichen, angemessenen und sinnvollen Einsatz bei psychischen Störungen wie Ängsten, Depressionen, Manien und Psychosen. Es wendet sich an alle, die mit Psychopharmaka umgehen, die sie verordnen, die sie einnehmen müssen: für Ärzte und Psychologinnen, Kranke und ihre Angehörigen, Menschen in pflegenden und betreuenden Berufen, aber ebenso für Journalisten und andere, die »Bescheid wissen wollen«.   

Table of contents

6 Medikamente bei Unruhe und Angst (S. 72-73)

Tranquilizer gehören zu den meistverordneten und den am häufigsten eingenommenen Medikamenten. Sie gehören zu den wenigen Medikamenten, die gern eingenommen werden und die von den Ärzten häufiger erbeten werden, als diesen recht ist. Dabei ist die Indikation zum Einsatz von Tranquilizern alles andere als klar und eindeutig definiert.

Tra n q u i l i z e r- I n d i k a t i o n e n

Es scheint eher so zu sein, als dass sie vorrangig dort eingesetzt werden, wo eigentlich, wenn immer möglich, Psychohygiene, Veränderung der Lebensführung oder Psychotherapie die Methoden der Wahl sind. Das gilt für Schlafstörungen, für psychoreaktive Störungen, für krisenhafte Zuspitzungen von Lebensproblemen, für – neuerdings so genannte – Anpassungsstörungen. Konfliktreaktionen und Lebenskrisen sollten mit psychotherapeutischer Hilfe bearbeitet werden. Das ist die unbestrittene Lehrmeinung. Die Praxis sieht anders aus. Gerade auf dem Gebiet der Konfliktreaktionen und der – nach alter Nomenklatur so genannten – neurotischen Entwicklungen werden Psychopharmaka am undifferenziertesten und am häufigsten eingesetzt. Es bei der allgemeinen Missbilligung des Psychopharmakagebrauchs zu belassen, hieße an der Wirklichkeit vorbeigehen. Denn es gibt kaum einen Arzt in Klinik und Praxis, der in solchen Fällen nicht Medikamente verordnet. Der psychoanalytische Psychotherapeut mit einer hochselektierten Patientenauswahl mag eine Ausnahme bilden.

So stehen wir vor der paradoxen Situation, dass das Hauptanwendungsgebiet der Tranquilizer genau dort liegt, wo psychotherapeutische Arbeit angezeigt ist. Das Lippenbekenntnis hilft wenig, dass eigentlich eine Psychotherapie angezeigt wäre, aber mangels Psychotherapeuten oder mangels Geduld von Seiten des Patienten – oder des Therapeuten – nicht durchführbar ist. Tatsächlich ist das letzte Wort über die Abgrenzung zwischen Psychotherapie und Psychopharmakotherapie noch nicht gesprochen. Das gilt auch für den gleichzeitigen Einsatz von Medikamenten und Psychotherapie. Festzuhalten ist jedoch: Es gibt keine medikamentöse Psychotherapie.

Tranquilizer als »Krücke« Am problemlosesten lässt sich der Einsatz von Tranquilizern als »Krücke« rechtfertigen bei der Überwindung von psychosozialen Krisen, erhöhter Irritierbarkeit und Reizbarkeit nach körperlichen Erkrankungen, bei vorübergehenden Angst- und Spannungszuständen, die sich anders nicht kontrollieren lassen; aber auch bei vorübergehenden psychosomatischen Beschwerden. Bei wohl wollender Betrachtung kann man den Einsatz von Tranquilizern als Regulativ betrachten, das Körper und Psyche für eine Überbrückungsphase Schonung verschafft, bis der Betroffene aus eigener Kraft oder mit psychotherapeutischer Führung mit seinen Schwernissen fertig wird. Bei weniger wohl wollender Betrachtung kann man ihre Anwendung als Ausweichen vor der Wirklichkeit interpretieren. Zu welcher Art der Auslegung man immer neigt, man muss sich bewusst sein, dass diese Medikamente psychische Wirkungen haben, die negative Folgen für die Art der Wirklichkeitsbewältigung des Einzelnen haben können: »Abnahme intellektueller Leistungsfähigkeit, Antriebsverminderung, affektive Verflachung, Wurstigkeit, Minderung der Reizbarkeit, Abgleiten aus der Verantwortung ... Im Einzelfall sollte jeweils abgewogen werden, ob die bestehende Erkrankung solche psychischen Veränderungen erfordert beziehungsweise in Kauf nehmen lässt, zumal die Zahl der Fälle von Sucht ständig steigt.« (KUSCHINSKY und LÜLLMANN 1987)

Author
Professor Asmus Finzen, ab 1975 Direktor des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wunstorf, bis 2003 stellvertretender Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Basel, zahlreiche Veröffentlichungen.
Table of contents
Inhaltsverzeichnis6
Vorwort zur 13. Auflage12
I Grundlagen14
Einführung15
Historische Vorbemerkung15
Ein Jahrzehnt der Hoffnung16
Chancen und Probleme der Psychopharmakotherapie18
Unerwünschte Wirkungen und Missbrauch20
Risiko - Nutzenabwägung20
Einteilung21
Allgemeine Aspekte der Medikamentenbehandlung bei psychischen Strungen22
Notwendige Fragen22
Das Handwerkzeug24
Einige wichtige pharmakologische Aspekte24
Compliance: Vertrauensvolles Zusammenwirken von Kranken und Behandelnden29
Was tun, wenn man nicht weiterkommt?31
Beschrnkung auf wenige Präparate32
Kostenbewusstsein ist nicht untherapeutisch33
Das therapeutische Risiko34
Neue Medikamente34
Verhalten bei Vergiftung und Selbstvergiftung35
Psychopharmaka: Wie sie wirken36
Neurotransmitter, Zelle und Synapse37
Das neuronale Netz39
Das Gehirn als selbstreferentielles Organ41
I I Tranquilizer: Medikamentenbehandlung von Schlafstörungen, Unruhe und Angst46
Schlafmittel und die Behandlung von Schlafstörungen47
Der Schlaf48
Schlafstörungen48
Medikamente bei Schlafstörungen53
Kritisch und bewusst verordnen56
Zusammenfassung57
Tranquilizer oder Beruhigungsmittel59
Benzodiazepin - Derivate60
Unerwünschte Wirkungen und Kontraindikationen64
Abhängigkeit bei niedriger Dosierung67
Welches Präparat? Welche Dosierung?70
Alternativen71
Medikamente bei Unruhe und Angst73
Tranquilizer-Indikationen73
Angst- und Panikerkrankungen77
I I I Antidepressiva Medikamentenbehandlung affektiver Störungen82
Antidepressiva83
Einteilung84
Wirkungsqualitäten86
Historisches Schema86
Neurotransmitter und Rezeptorblockade88
Erwünschte und unerwünschte Wirkungen90
Welches Mittel? Welche Dosierung?94
Behandlungsoptionen95
Antidepressiva und die Behandlung depressiver Kranker99
Diagnose vor Therapie99
Probleme der Klassifikation100
Reaktive und Erschöpfungsdepressionen102
Depressive Neurosen und Persönlichkeitsstörungen : dysthyme Störungen103
Depressionen bei schizophrenen Psychosen105
Depressionen bei manisch-depressiven Psychosen: Major Depression105
Spätdepressionen ( Involutionsdepressionen )107
Symptomatische und organische Depressionen107
Was tun, wenn man nicht weiterkommt?108
Die Behandlung 108
Die Behandlung 108
111108
Ursachen der primären Therapieresistenz112
Behandlungsstrategien114
Varianten der Medikamentenbehandlung116
Was man sonst noch tun kann118
Die Behandlung manisch Kranker - Hochfrequenter Phasenwechsel120
Die Manie120
Die Behandlung manisch Kranker122
122
122
125122
Die Behandlung bei affektiven Psychosen mit126
Die Behandlung bei affektiven Psychosen mit hochfrequentem Phasenwechsel ( Rapid Cycling)126
Rückfallprophylaxe bei manisch-depressiven Kranken130
Rückfallprophylaxe mit Lithium130
Rückfallprophylaxe mit Antidepressiva135
Carbamazepin , die andere Perspektive der Rückfallprophylaxe136
Valproinsäure137
I V Neuroleptika: Medikamentenbehandlung der Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis140
Neuroleptika oder Antipsychotika141
Neuroleptika oder Antipsychotika -