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Hauptdaten
Herausgeber: Gerhard Stumm, Alfred Pritz, Paul Gumhalter, Nora Nemeskeri, Martin Voracek
Titel: Personenlexikon der Psychotherapie
Verlag: Springer-Verlag
ISBN/ISSN: 9783211293966
Auflage: 1
Preis : CHF 88.10
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Psychologie
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 547
Kopierschutz: DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF
Inhaltsangabe
In diesem Band werden über 280 Gründerpersönlichkeiten und Personen, die einen nennenswerten Einfluss auf die Psychotherapie gehabt haben und aufgrund ihrer Beiträge für die Psychotherapie Anerkennung in der Fachwelt gefunden haben, von Experten aus den jeweiligen Fachbereichen, vorgestellt. Es werden Persönlichkeiten aus verschiedenen psychotherapeutischen Ansätzen und Arbeitsfeldern beschrieben, die für die Entwicklung der Psychotherapie in theoretischer Hinsicht bzw. für ihre praktische Bedeutung (Verankerung, Verbreitung, Versorgung, Forschung sowie mediale Wirkung) einen signifikanten Beitrag geleistet haben. Die Darstellungen umfassen jeweils im ersten Abschnitt Lebensdaten und Schaffensperioden sowie in einem zweiten Teil theoretische Schwerpunkte und Verdienste (auch in Bezug auf die Praxis). Ausführliche Bibliografien zu jeder Persönlichkeit ergänzen deren Charakterisierung. Die Persönlichkeiten werden in alphabetischer Reihenfolge und jeweils mit Foto dargestellt.
Inhaltsangabe
- A - (S. 1-2)

Abraham, Karl

* 3.5.1877 in Bremen;  25.12.1925 in Berlin.

Mitbegründer der psychoanalytischen Bewegung; Beiträge zur Libidoentwicklung und zur Psychosentherapie.

Stationen seines Lebens und wichtige theoretische Beiträge und Orientierungen

Abraham war der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie; Studium der Medizin in Würzburg und Berlin, 1901 Promotion in Freiburg im Breisgau, drei Jahre Arzt in der Berliner Irrenanstalt Dalldorf unter dem Gehirnanatomen Liepmann; 1904-07 an der psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli in Zürich; Assistent von Eugen Bleuler, Mitarbeiter und Kollege von C.G. Jung, in Zürich wurde er auf die Psychoanalyse aufmerksam, ein enger Kontakt zwischen Zürich und Wien wurde aufgebaut; 1907 kam es zu ersten Zusammentreffen mit Sigmund Freud in Wien; Beginn eines Briefwechsels und Freundschaft; 1907 ging Abraham zurück nach Berlin und eröffnete Ende des Jahres eine psychoanalytische Praxis; ab 1908 fanden die ersten Referate und Diskussionsabende über Psychoanalyse in seiner Privatwohnung statt; zu den frühen Interessenten an der Psychoanalyse in Berlin zählten Magnus Hirschfeld, Iwan Bloch, Heinrich Körber, Otto Juliusburger; 1910 war Abraham Mitbegründer der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung, die der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung als Ortsgruppe unterstellt wurde; er war der Präsident des Vereins bis zu seinem Tod im Jahr 1925. Mitbegründer des Berliner Psychoanalytischen Instituts 1920 (Poliklinik); 1912 wurde Abraham Mitglied des Geheimen Komitees um Sigmund Freud; 1922 Sekretär, 1924 Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Abraham arbeitete über die Hysterie und Zwangsneurosen, publizierte über die frühkindlichen Entwicklungsphasen und ihren Zusammenhang mit späteren Charaktereigenschaften.

Seine Einteilung der Charakterentwicklung folgte dabei drei Phasen: orale Phase (die in eine passive und aktive unterteilt ist), zwei anal-sadistische Phasen (die durch das Reinwerden beendet werden) und die genitale Phase. Einige seiner Arbeiten und Formulierungen gingen Hand in Hand mit Freuds Publikationen. So werden die Einflüsse zum Beispiel in Freuds Totem und Tabu" sowie in Trauer und Melancholie" ersichtlich; und in seiner Studie über Amenhotep IV hat Abraham Gedanken von Freuds Todestriebtheorie antizipiert. Er publizierte über kindliche Sexualität, Melancholie, Biografik sowie über die Anwendungen der Psychoanalyse auf Mythologie, Ethnologie und Kunst. 1911 widmete er dem bedeutenden symbolistischen Maler Giovanni Segantini eine Studie. Seine Arbeiten Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido auf Grund der Psychoanalyse seelischer Störungen" (1924) und Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung" (1925) zählen zu seinen einflussreichsten Werken. Abraham galt als überaus gebildet und sprach mehrere Sprachen fließend. Abraham war nicht nur in der analytischen Durchleuchtung der Psychosen führend" (Freud; zit. nach Brecht et al., 1985: 16), wie seine Studien zur Dementia praecox und zum manisch-depressiven Irresein ausweisen, er leistete auch hervorragende Beiträge zur Libido- Theorie  insbesondere zur prägenitalen Phase der Libidoentwicklung, wie der frühen Oralerotik und dem Analcharakter. Ludwig Binswanger urteilte darüber: Abraham war einer der wenigen, die die Libidotheorie begriffen und sie richtig angewendet haben und einer der wenigen, die sie klinisch weiter ausgebaut und bleibende Resultate hinterlassen haben" (zit. nach Brecht et al., 1985: 16). In seinen Arbeiten blieb die Argumentation sichtbar auf seiner psychiatrischen Ausbildung klinisch fundiert.

Während des Ersten Weltkriegs etablierte er eine Beobachtungsstation für psychopathische Soldaten und diente vier Jahre in Allenstein in Ostpreußen. Seine Erfahrungen sind 1919 in Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen" erschienen. Abraham bemühte sich um die Anerkennung und Verbreitung der Psychoanalyse, unter anderem um einen Lehrstuhl für Psychoanalyse, der ihm jedoch verweigert wurde. Gemeinsam mit dem Analytiker Hanns Sachs arbeitete er an der Umsetzung des ersten psychoanalytischen Films, Geheimnisse einer Seele".

Abraham war der Lehranalytiker zahlreicher namhafter Persönlichkeiten: Karen Horney, Melanie Klein, Felix Boehm, Carl Müller- Braunschweig, Helene Deutsch, Ernst Simmel, Theodor Reik, Hans Liebermann, Sándor Radó, Edward und James Glover. Abraham starb Ende 1925 an den Folgen einer Entzündung, die eine Fischgräte in seiner Luftröhre verursacht hatte. Die Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse" publizierte 1926 mehrere Nachrufe. Seine Tochter Hilda wurde ebenfalls Psychoanalytikerin und hat eine Biografie über ihren Vater verfasst (H. Abraham, 1976).
Inhaltsverzeichnis
Vorwort6
Inhaltsverzeichnis8
Anmerkungen zu den L