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Hauptdaten
Autor: Ulrich Hemel
Titel: Wert und Werte Ethik für Manager: Ein Leitfaden für die Praxis
Verlag: Carl Hanser Fachbuchverlag
ISBN/ISSN: 9783446414747
Auflage: 2
Preis : CHF 20.70
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Politik, Gesellschaft, Arbeit
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 352
Kopierschutz: Wasserzeichen/DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF
Inhaltsangabe

Wert und Werte Ethik für Manager - Ein Leitfaden für die Praxis, 2. Auflage

Wirtschaft und Ethik gehören zusammen. Das sagen alle Manager - in ihren Sonntagsreden. Aber Ethik hat Folgen: Darf ein Manager in einem Land produzieren, das Kinderarbeit toleriert? Lässt sich die Trennung von einem schwachen Mitarbeiter verantworten, der in die sichere Arbeitslosigkeit entlassen wird? Was tun, wenn Korruptionsfälle auftauchen?

Ulrich Hemel ist heute Unternehmer und war lange Top-Manager in internationalen Firmen. Gleichzeitig ist er ausgewiesener Philosoph und Theologe. Er kennt beide Welten aus persönlicher Erfahrung wie kaum ein anderer - und er schreibt praxisnah und verständlich. So wird Ethik nutzbar für den Unternehmensalltag!

Jetzt aktuell in zweiter Auflage mit neuen Kapiteln:

- "Das machen doch alle so!" - Wo fängt Korruption an?
- "Geht alles auf Spesen!" - Ethische Grenzen für Betriebsräte
- "Ich halte das hier nicht mehr aus" - Wann man an die Öffentlichkeit gehen muss

Pressestimmen: "Darf man Kunden beschwindeln? Mitarbeiter entlassen? Arbeitsplätze ins Ausland verlagern? Hemel geht so weit, Kosten im Unternehmen durchzurechnen, um zu beantworten, welches von drei fiktiven Werken ein Manager guten Gewissens schließen darf. Die Lebensnähe der beschriebenen praktischen Dilemmata für Führungskräfte macht das Buch zum Gewinn. Der Autor diskutiert die Probleme ohne Überlegenheitsgeste. Lesenswert." Süddeutsche Zeitung, 27./28.8.2005

Der Autor

Ulrich Hemel war nach dem Studium in Katholischer Theologie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Philosophie als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group tätig. Danach Vorstandsvorsitzender der PAUL HARTMANN AG (2001-2004) und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Süddekor GmbH (2005-2007). Heute Inhaber einer mittelständischen Firmengruppe unter der "Strategie und Wert Beratungs- und Beteiligungs-GmbH". Darüber hinaus ist er Vorstandsvorsitzender des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover und apl. Professor für Katholische Theologie an der Universität Regensburg. Zahlreiche Publikationen

Inhaltsangabe

„Wer nichts bringt, wird eliminiert!" Oder: Welchen Nutzen oder Schaden stiftet Sprache? (S. 61-62)

„Schweigen im richtigen Augenblick ist weise, und besser als jede Rede."
Plutarch (Ethik 10E)

Nochmals: Der Ton macht die Musik

In einer Aufsichtsratssitzung hörte ich von einem Kollegen im Gremium den Satz: „Wer nichts bringt, wird eliminiert!" Der Sprecher war der Chef eines für seinen humanen Umgang bekannten Unternehmens, den ich auch persönlich sehr schätze. Es war leicht zu verstehen, dass er etwas im Grunde Richtiges zum Ausdruck bringen wollte: Ein Unternehmen hat durchaus die Aufgabe der Unterscheidung der Geister. Wenn Mitarbeiter sich nicht in den Geist eines Unternehmens einfügen wollen oder können, wenn ihre Fähigkeiten nicht zur Aufgabe passen oder umgekehrt – dann ist ein Unternehmen zum Handeln aufgerufen. Dass auch dann der Ton die Musik macht, versteht sich von selbst. Es ist ein Riesenunterschied, ob ich jemand erkläre, dass er ab sofort . iegt, oder ob ich ihm sage, dass sich die Wege trennen, weil Aufgabe, Person und Unternehmen nicht mehr zusammenpassen.

Sprechen oder Schweigen

In der erwähnten Sitzung überlegte ich mir, ob ich gegen die Ausdrucksweise „eliminieren" protestieren sollte. Da ich neu im Gremium war und da sich die Diskussion um andere, heiße Themen handelte, ließ ich die Situation vorübergehen. Gleichzeitig erinnerte ich mich daran, dass ich im eigenen Unternehmen sehr konsequent darauf achte, dass andere Abteilungen, Konkurrenten oder Kunden nicht mit abfälliger Sprache behandelt werden. Das geht relativ einfach: Ich brauchte ja nur zu sagen, dass Sprache wie ein Spiegel funktioniert. Wer sich abfällig über andere äußert, wird regelmäßig erleben, dass auch der andere ein negatives Bild der „anderen Seite" entwickelt, das sich im Extremfall sogar über Jahre hinweg verhärten kann.

Zum Thema „Sprache" gehören damit unweigerlich sowohl das Sprechen als auch das Schweigen. Auch nach mehrmaligem Nachdenken bin ich davon überzeugt, dass ich in der damaligen Aufsichtsratssitzung mit einer kritischen Bemerkung keinen Nutzen hätte stiften können. Vielmehr hätte ich mich mit einer Aussage zur Sprache des Kollegen in eine Wirkungsgeschichte begeben, die meiner Grundintention entgegengesetzt gewesen wäre: Unvermeidlich wäre eine solche Äußerung von einem Gremien neuling als „vorlaut", „belehrend", „wenig konstruktiv" oder ähnlich aufgefasst worden. Das aber hätte das Gewicht jeder weiteren Aussage zunächst mit einer Hypothek belastet. Ich hätte also – um den Gewinn psychischer Entlastung – die Chancen auf die Durchschlagskraft meiner Argumente in der Sachdiskussion geschmälert, und das wollte ich nicht.

Damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt von Sprache und Ethik im Wirtschaftsleben: Der richtige Zeitpunkt entscheidet mit. Und wenn zwei das Gleiche sagen, ist es nicht das Gleiche. Die persönliche und hierarchische Beziehung zwischen zwei Personen bestimmt das Sprachverhalten mit. Jedweder Inhalt wird in seiner Wirkung zuerst durch die Beziehung zwischen den handelnden Personen ge. ltert, bevor er sachlich analysiert werden kann.

Sprachliches Verhalten gibt Hinweise auf die Denkwelt einer Person, auf ihren inneren Handlungsrahmen, auf geistige Enge oder Weite. Wie präzise bringt einer Dinge auf den Punkt? Wie viel an persönlicher Wärme schwingt im Ton mit? Drückt Sprache neben ihrem sachlichen Gehalt ein Stück Wertschätzung oder eher Geringschätzung aus? Wie verhält sich der sprachliche Ausdruck zum körperlichen Verhalten, das unweigerlich jeden Satz von uns begleitet?

Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur zweiten Auflage6
Vorwort8
Geleitwort10
Inhaltsverzeichnis14
I Ethik im Rampenlicht22
Ethik in Alltag, Politik und Wirtschaft: Kinderarbeit und die Frage nach universellen Prinzipien der Ethik24
Ethik in der Alltagserfahrung24
Ethik und Politik28
Ethische Prioritäten am Beispiel der Kinderarbeit30
Literatur36
Bilanzbetrug oder: Ethik nur zur besseren Kontrolle?38
Unternehmenskontrolle zwischen Chancen- und Risikobetrachtung38
Die Unverfügbarkeit der Zukunft40
Der Primat der Sachanalyse und das Glück des richtigen Zeitpunkts42
Die Kunst der unternehmerischen Balance44
Bilanzbetrug, legitime Gestaltungen und Missbrauchsmöglichkeiten45
Die Bedeutung persönlicher Integrität47
Die Ethik der Information48
Literatur50
Das machen doch alle so! Oder: Wo fängt Korruption an?51
Die Denkfalle des Generalverdachts52
Die Denkfalle der Bagatellisierung und Umdeutung von Korruption53
Ein Praxisbeispiel55
Der Schritt von Lobbyarbeit zur aktiven Bestechung und zur Korruption als Sucht57
Unternehmerische Handlungsmöglichkeiten I: