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Hauptdaten
Herausgeber: T. Meinertz, P. Rösen, A. Schömig, D. Tschöpe, D. Ziegler
Titel: Diabetes und Herz
Verlag: Steinkopff
ISBN/ISSN: 9783798515314
Auflage: 1
Preis : CHF 46.60
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Medizin & Pharmazie
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 412
Kopierschutz: DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF
Inhaltsangabe

Strukturelle Probleme unseres Gesundheitssystems haben bisher den Blick darauf verstellt, wie katastrophal die medizinische Versorgung der an Diabetes erkrankten Menschen ist; mehrheitlich versterben diese Patienten nicht unmittelbar an der erhöhten Blutglukose, sondern an den Konsequenzen der Krankheit für das Herz, das Gehirn bzw. allgemeiner für die Gefäße.

Bei der progressiven Überalterung unserer Bevölkerung dürfen wir davon ausgehen, dass die Diabetesinzidenz weiter stark ansteigen wird; ein entsprechender Anstieg der vaskulären Endorganschädigungen ist zu erwarten.

Dabei ist die Diskussion über die pathophysiologischen Zusammenhänge durchaus fortgeschritten, und sowohl im Bereich der Prävention als auch für die Akutbehandlung und Nachsorge stehen sinnvolle und praktikable Lösungen zur Verfügung.

Dieses interdisziplinäre Wissen sowohl auf der Ebene der pathophysiologischen Forschung als auch in der klinischen Versorgung an die Ärzte weiterzugeben, ist Ziel dieses Buches.



Prof. Dr. Th. Meinertz, Direktor der Med. Klinik u. Poliklinik, Abt. f. Kardiologie, Universitätskrankenhaus Eppendorf, Hamburg

Prof. Dr. P. Rösen, Oberassistent am Diabetes Forschungsinstitut, Abteilung Klinische Biochemie und Pathobiochemie, Düsseldorf

Prof. Dr. D. Tschöpe, Direktor des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Bad Oeynhausen

Prof. Dr. med. Albert Schömig, Direktor des Deutschen Herzzentrums München

Prof. Dr. D. Ziegler, Oberarzt der Deutschen Diabetes-Klinik, Diabetes Forschungsinstitut, Düsseldorf

Inhaltsangabe

4.2 Interventionelle Kardiologie (S. 272-273)

M. Hauk, V. Bassignana, F.-J. Neumann

Obwohl die Prävalenz des Diabetes mellitus in westlichen Ländern etwa 5% beträgt, leiden etwa 20% der Patienten, die im Katheterlabor wegen einer koronaren Herzkrankheit behandelt werden, an einem Diabetes mellitus, davon >, 95% an einem Typ-2-Diabetes. Zum Zeitpunkt der Intervention haben Patienten mit Diabetes mellitus schlechtere anatomische Voraussetzungen als vergleichbare Patienten ohne Diabetes mellitus.

Die Fortschritte der jüngsten Jahre in Kathetertechnik und adjuvanter medikamentæser Therapie haben dazu gefçhrt, dass trotz dieser ungünstigen anatomischen Voraussetzungen das periinterventionelle Risiko von Patienten mit Diabetes mellitus auf ein vertretbares Maß gesenkt werden konnte. Dennoch bleiben die Langzeitaussichten von Diabetikern schlecht, nicht nur wegen des erhæhten Rezidivrisikos, sondern auch wegen einer beschleunigten Progression der koronaren Grunderkrankung und der erhæhten Letalität atherothrombotischer Komplikationen. Da auch die Risiken einer koronaren Bypassoperation bei Patienten mit Diabetes mellitus erhæht sind, wurde vielfach die Indikation zur Revaskularisation, oft auch schon allein die Entscheidung zur Katheterdiagnostik, sehr zurückhaltend gestellt.

Andererseits zeigen insbesondere die Studien zum akuten Koronarsyndrom, dass Diabetiker mit schwerer koronarer Herzkrankheit in besonderem Maße von einer kompletten koronaren Revaskularisation profitieren. Verschiedene Autoren beklagen deshalb eine mangelnde Ausschöpfung der invasiven Behandlungsmæglichkeiten bei Patienten mit Diabetes mellitus. In den letzten Jahren sind eine Reihe von Studien zur interventionellen Therapie der koronaren Herzkrankheit bei Patienten mit Diabetes mellitus sowie zur adjuvanten Pharmakotherapie erschienen. Diese Studien geben wertvolle Hilfestellung in der Entscheidungsfindung für eine optimale Behandlungsstrategie bei Koronarpatienten mit Diabetes mellitus. Im Folgenden soll deshalb die aktuelle Datenlage zur koronaren Katheterintervention beim Diabetes mellitus besprochen werden.

4.2.1 Anatomische und gefäßbiologische Besonderheiten

Gefäßbiologische und anatomische Besonderheiten beim Diabetes mellitus sind an anderer Stelle ausfçhrlich beschrieben. Im Folgenden sollen daher nur die für die interventionelle Kardiologie wichtigen Aspekte hervorgehoben werden.

Koronarmorphologie

Im Vergleich zu Nichtdiabetikern haben Diabetiker mit koronarer Herzkrankheit häufiger eine Mehrgefäßerkrankung [1-3] mit diffusen, langstreckigen Stenosen [1, 4] sowie eine Hauptstammstenose [1, 4]. Neuere Autopsiestudien bestätigen, dass hochgradige Stenosen überhaupt und hochgradige Stenosen in mehreren Gefäßen bei Diabetikern häufiger sind als bei Nichtdiabetikern [5]. Außerdem sind rupturierte Plaques und intrakoronare Thromben bei Diabetikern gehäuft zu finden, wie angioskopische Studien zeigen [6]. Bei Patienten mit Diabetes sind adaptive Umbauprozesse, die zur Weitung des Gefäßes mit zunehmender Atheromatose führen (Glagovs-Paradigma [7]), reduziert [8, 9]. Das bedeutet, dass beim Diabetiker schon geringe Plaque-Massen zu einer beträchtlichen Einschränkung des Gefäßlumens führen können [8, 9], und erklärt, dass aus interventionell-kardiologischer Sicht ungünstige, kleine Gefäßlumina beim Diabetiker besonders häufig anzutreffen sind [1, 8-10].

Das Risiko von Koronarinterventionen ist beim Diabetes mellitus auch dadurch erhöht, dass zum einen die linksventrikuläre Funktion häufiger eingeschränkt ist [2, 11], zum anderen weniger funktionstüchtige Kollateralen ausgebildet sind [12]. Durch Aussprossen von Kapillaren ohne glatte Muskelzellen (Angiogenese) bildet sich beim Diabetiker häufig ein ineffektives Netzwerk von Kollateralgefäßen aus. Dagegen ist die Arteriogenese [13], bei der es durch Wachstum arteriolärer Verbindungen mit struktureller Vergræûerung des Gefäßes zu funktionstüchtigen Kollateralen kommt, bei Diabetikern herabgesetzt.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort5
Inhaltsverzeichnis7
1 Epidemiologie, Risikofaktoren, Genetik14
1.1 Epidemiologie koronarer Ereignisse bei Diabetes mellitus16
1.1.1 Prävalenz der Glukosestoffwechselstörungen (manifester Diabetes mellitus pathologische Glukosetoleranz, metabolisches Syndrom) 16
1.1.2 Risikofaktoren für den inzidenten Typ-2-Diabetes-mellitus 17
1.1.3 Das kardiovaskuläre Risiko bei Typ-2-Diabetes-mellitus 17
1.1.4 Der akute Myokardinfarkt beim Typ-2-Diabetiker19
1.1.5 Therapie des akuten Myokardinfarkts beim Diabetiker21
1.1.6 Langzeitprognose des Diabetikers nach akutem Myokardinfarkt21
1.1.7 Zusammenfassung 22
1.2 Risikofaktoren 26
1.2.1 Lipide26
1.2.2 Arterielle Hypertonie bei Diabetes mellitus39
1.2.3 Diabetes mellitus und das Gerinnungssystem53
1.2.4 Inflammation68
1.2.5 Metabolismus78
1.3 Typ-2-Diabetes-mellitus - eine durch die Umwelt modifizierbare Erbkrankheit88
1.3.1 Epidemiologische Besonderheiten88
1.3.2 Genetische Prädisposition + modifizierende Umweltfaktoren = komplexe Erkrankung 89
1.3.3 Probleme bei der Aufklärung der genetischen Prädisposition des Typ-2-Diabetes90
1.3.4 Assoziationsstudien (Fall-Kontroll-Studien)92
1.3.5 Kopplungsstudien/Genomscans 94
1.3.6 Klassischer, polygener Typ-2-Diabetes-mellitus102
1.3.7 Abschließende Betrachtungen 105
2 Pathobiochemie und Pathophysiologie111
2.1 Stoffwechsel des Herzens bei Diabetes114
2.1.1 Der Stoffwechsel des Herzens: Interaktion von Glukose und Fettsäuren Wirkung von Insulin114
2.1.2 Metabolische Adaptation im diabetischen Herzen 121
2.1.3 Fettsäuren als Regulatoren der Genexpression 122
2.1.4 Glukoseregulierte Genexpression 125
2.1.5 Maladaptation des Herzens bei Diabetes127
2.1.6 Schlussfolgerung und Zusammenfassung128
2.2 Endotheliale Dysfunktion als Ursache der kardialen Vaskulopathie135
2.2.1 Einleitung 135
2.2.2 Grundlagen zur Anatomie und Physiologie des Endothels135
2.2.3 Pathophysiologie des Endothelstoffwechsels137
2.2.4 Diagnostik der endothelialen Dysfunktion 142
2.2.5 Therapie der endothelialen Dysfunktion 144
2.2.6 Prognostische Relevanz der endothelialen Dysfunktion147
2.3 Rolle der extrazellulären Matrix und der myozytären Kalziumhomöostase für die Entwicklung von diastolischer und systolischer Dysfunktion bei Diabetes153
2.3.1 Extrazelluläre Matrix im diabetischen