Login
 
Hauptdaten
Autor: Rüdiger Jungbluth
Titel: Die Quandts Ihr leiser Aufstieg zur mächtigsten Wirtschaftsdynastie Deutschlands
Verlag: Campus Verlag
ISBN/ISSN: 9783593402437
Auflage: 1
Preis : CHF 8.30
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Politik, Gesellschaft, Arbeit
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 391
Kopierschutz: Wasserzeichen/DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF
Inhaltsangabe
Die mächtigste Industriellenfamilie Deutschlands lebt abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit. Mit unternehmerischem Geschick und politischem Kalkül errichtete sie im 20. Jahrhundert ein riesiges Firmenimperium - doch ihren Namen kennen nur wenige. Rüdiger Jungbluth enthüllt die faszinierende und tragische Geschichte der geheimnisvollen Familie Quandt.

Rüdiger Jungbluth, Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaft und absolvierte die Journalistenschule in Köln. Zwischen 1992 und 2000 arbeitete er als Wirtschaftskorrespondent bei Stern und Spiegel, danach war er stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Net Business. Rüdiger Jungbluth lebt in Berlin.
Inhaltsangabe
9. Kapitel
'Es war ein Verhängnis'
Entfremdung und ein Schicksalsschlag
Während es wirtschaftlich für Quandt immer weiter bergauf ging, während sein Vermögen von Tag zu Tag wuchs, häuften sich in der Familie die Probleme und Sorgen. Die drei Schulze-Kinder, die Quandt aufgenommen hatte, waren allesamt schwierig und nach Einschätzung des Hausherrn 'wenig erzogen'. Zu dessen besonderem Verdruss übte der 15jährige Jochen Schulze einen unseligen Einfluss auf den gleichaltrigen Herbert Quandt aus. Die beiden Jungen rauchten bis zu zwanzig Zigaretten pro Tag, wie der Vater alsbald herausfand.
Magda Quandt, erst 23 Jahre alt, war mit der familiären Situation überfordert. Quandt zeigte durchaus Verständnis für ihre Lage, die er später so beschreiben sollte. 'Ist es für eine junge Frau schon schwer, zwei große Jungen aus der früheren Ehe ihres Mannes aufzuziehen, so wird die Aufgabe nicht geringer, wenn ein eigenes Kind dazukommt. Wenn dann aber noch drei fremde Kinder miterzogen werden sollen, so geht das über die Kraft.' Praktische Hilfe konnte sie von ihrem vielbeschäftigten Mann nicht erwarten. Quandt verließ morgens um sieben das Haus, um nach Berlin zu fahren, blieb zum Mittagessen meist in der Stadt, und kam abends spät nach Hause. Oft blieb er auch über Nacht in Berlin, um sich die Fahrt nach Neubabelsberg zu ersparen, und übernachtete in dem Haus an der Frankenallee.
Während dieser Zeit entfremdeten sich die Eheleute, die einander vermutlich nie sehr nahegestanden haben, weiter. Das Zusammenleben wurde nicht leichter dadurch, dass Quandt nicht in seinen Versuchen nachließ, die junge Frau zu erziehen. Ihm missfiel ihre Angewohnheit, im Morgenrock zu frühstücken. Für ihn, einen Mann, den das Kaiserreich geprägt hatte, war das ein Ausdruck innerer Haltlosigkeit. Er kritisierte, dass sie Schwierigkeiten stets auf sich zukommen lasse, statt sie vorausschauend aus dem Weg zu räumen. Magda empfand ihren Mann häufig als kaltherzig, auch im Umgang mit seinen Kindern. Zur Herbert Quandts 16. Geburtstag bekam der Junge außer zahlreichen Geschenken vom Vater einen Umschlag. Darin befand sich eine Briefkarte, auf die Günther Quandt geschrieben hatte: 'Meinem lieben Herbert eine weitere Gabe von RM 25,- für jeden Monat innerhalb des nächsten Jahres, in dem er keine Zigarette raucht.' Herbert reagierte unerwartet sensibel. Still setzt er sich in eine Ecke, überlas den Inhalt immer und immer wieder. 'Tränen kamen in seine Augen', beobachtete der Vater. Magda Quandt warf ihrem Mann vor, dem Sohn das Geburtstagsfest verdorben zu haben. Er selbst sah in dem Geldangebot einen 'vielleicht nicht schönes, sehr anspruchsvolles, aber erfreulicherweise wirksames Mittel', denn Herbert Quandt entschied sich am Ende für das Geld und gegen das Rauchen.
Es lag wohl nicht nur an dem Altersunterschied von zwanzig Jahren, dass es Günther Quandt schwerfiel, seine Frau als gleichberechtigte Partnerin zu akzeptieren. Es entspracht wohl auch nicht seinem Wesen. Sie wiederum war nicht die Frau, die bereit gewesen wäre, sich ihm klaglos unterzuordnen. Dazu war sie zu selbstbewusst. Ihr Biograf Hans-Otto Meissner schreibt: 'Wäre Magda ein weicher Mensch, eine zärtliche anschmiegsame Frau, was sie eben nicht ist, könnte alles anders sein. Dann hätte sie gelegentlich vor ihm geweint oder ihn umschmeichelt, hätte vermutlich vermocht, weiche Gefühle in ihm zu erwecken. Aber sie kann das nicht. Schon ihr Stolz läßt nicht zu, dass sie verborgene Gefühle zeigt, vielleicht gar eine Schau daraus macht.'
Gemeinsame Gesprächsthemen fehlten den Eheleuten. Allabendlich ließ sich Quandt zwar von seiner Frau vortragen, was es bei den Kindern Neues gab. Es kam ihm aber nicht in den Sinn, sie an seinem Leben teilhaben zu lassen. Der Unternehmer schwebte in anderen Sphären. Er arbeitete unermüdlich an der Verwirklichung seines großen Vorhabens. Er war dabei, sich ein industrielles Königreich zu schaffen und auf diese Weise den Namen der Familie zu verewigen. Er war längst reich genug und musste sich um materielle Dinge keine Gedanken mehr machen. Günther Quandt hatte begonnen, an einem Lebenswerk zu arbeiten, einem Gebilde, so groß und haltbar, dass es ihn selbst überdauern konnte - er dachte in Generationen.