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Main Data
Author: Katrin Biber
Title: Larissas Vermächtnis Der schreckliche Mord an meiner Schwester und mein Weg zurück ins Leben
Publisher: Piper Verlag
ISBN/ISSN: 9783492996587
Edition: 1
Price: CHF 9.60
Publication date: 01/01/2020
Content
Category: Biografien
Language: German
Technical Data
Pages: 304
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
2013 verschwindet Katrin Bibers Schwester Larissa spurlos auf dem Heimweg von einer Party. Kurz darauf wird klar, dass ihr damaliger Freund sie aus Eifersucht ermordet hat. Es folgt eine lange schmerzvolle Zeit für Katrin und ihre Familie. Auch viele Angehörige und Freunde sind mit der Situation vollkommen überfordert. Irgendwann fragt sich Katrin, was ihre lebenslustige Schwester in ihrer Situation wohl getan hätte. Also zieht sie ihre Sportschuhe an und beginnt, ihrer Trauer mit Bewegung zu begegnen - es wirkt! Katrin Biber erzählt, wie sie es geschafft hat, das erste Jahr nach dem Schicksalsschlag zu überstehen und wieder positiv durchs Leben zu gehen. Geleitet hat sie dabei stets das Lebensmotto ihrer Schwester: 'Lebe. Lache. Liebe.'

Katrin Biber, Jahrgang 1985, wuchs als älteste von vier Schwestern in Reutte/Tirol auf. Im Herbst 2013 wurde ihre Schwester Larissa von deren damaligem Freund ermordet. Nach einer langen Trauerphase fand Katrin schließlich ihren Weg zurück ins Leben. Eine Schlüsselrolle dabei spielte Bewegung. Heute ist sie mit ihrem Trainingskonzept 'SeelenSport®' als Sport- und Trauerbegleiterin erfolgreich.
Table of contents

Eine ganz normale Party


Die Kälte der Untersuchungsliege sorgte dafür, dass sich die Haare auf meinen Beinen aufstellten.

Ich sollte mir mal wieder die Beine rasieren, na ja, falls ich den Strumpf nicht mehr tragen muss, sonst ist es ja egal, ging mir durch den Kopf, während ich den Arzt beobachtete, der gerade ein Ultraschallgerät gegen meine Wadenmuskulatur drückte.

Vier lange Monate. Bitte lass es etwas gebracht haben.

»Und? Kann man schon was sehen?«, fragte ich ihn ungeduldig.

»Moment. Hmmm. Mhhh  Prima!« Er legte das Gerät zur Seite und schaute mich endlich an. »Sieht gut aus. Alles frei. Du hast keine Thrombose mehr.«

»Echt jetzt? Juhu! Keine Spritzen und keinen Strumpf mehr?« Ich konnte es kaum glauben.

»Keine Spritzen und keinen Strumpf mehr«, wiederholte er.

Vor dem Krankenhaus schnappte ich mein Handy und schrieb meiner Schwester Larissa: »Juhu, ich bin thrombosefrei! Endlich! Das muss gefeiert werden!«

»Wah! So toll. Ich freu mich volle, hey! Na klar!«

Auf dem Heimweg schrieb ich noch meinen beiden anderen Schwestern, Anna und Mara, und meinen Eltern. Alle freuten sich mit mir. Zu Hause setzte ich mich auf die Couch in meinem WG-Zimmer und begann, meine Thrombosestrümpfe auszusortieren. Mein Mitbewohner Christoph kam kurz rein und gratulierte mir zur Genesung, nachdem ich ihm das Ergebnis der Untersuchung mitgeteilt hatte. Ich wohnte mit zwei Jungs in einer Wohngemeinschaft im Zentrum von Innsbruck.

Als er gerade gehen wollte, hielt ich ihn zurück: »Hey, ich überlege, am Wochenende eine Party zu veranstalten. Ist das okay für dich? Eher Freitag als Samstag.«

»Na klar, ich bin vielleicht eh nicht da. Kann es aber noch nicht genau sagen. Viel Spaß«, wünschte er mir noch und verließ das Zimmer.

Mein Handy vibrierte. Eine neue Nachricht von Larissa: »Denk grad an die geilen Partys, die wir zukünftig wieder haben werden. Jetzt, wo du doch endlich gesund bist! :P«

»Jaaaa!!! Ich freue mich auch sooo!«, schrieb ich zurück.

»Und ich mich erst, hey. Hab dich lieb. Bussi«

Ich machte mich daran, die hässlichen weißen Strümpfe ordentlich zusammenzufalten, und ließ in Gedanken die vergangenen Monate Revue passieren.

Im März hatte ich einen Skiunfall gehabt, bei dem mir mein vorderes Kreuzband gerissen war. Der Zeitpunkt war so ungünstig, wie er nur sein konnte. Ich war noch mitten im Studium der Geschichtswissenschaften und jobbte nebenbei als Kellnerin in einem Irish Pub. Mit einem Kreuzbandriss, der sechs bis acht Monate Bewegungseinschränkung bedeutet, war das aber nicht mehr möglich. Noch am Tag des Unfalls wurde ich gekündigt. Und das, nachdem ich mein Studium doch fast ausschließlich selbst finanzieren musste. Bei drei Kindern blieb meinen Eltern, die seit zwei Jahren geschieden waren, nicht viel Geld, um jede von uns groß zu unterstützen. Vor allem, nachdem meine Mutter erst vor kurzer Zeit eine hartnäckige Krebserkrankung besiegt hatte.

Doch jetzt musste ich erst einmal an meinen Körper und nicht ans Geld denken. Im Mai wurde ich schließlich operiert. Die Operation verlief ohne Komplikationen  allerdings nicht die Zeit danach. Ich bekam eine tiefe Beinvenenthrombose und musste mir vier Monate lang Blutverdünner spritzen. Deshalb war ich gezwungen, zu meiner Mutter in meinen Heimatort Reutte in Tirol zurückzuziehen, wo sie mit meinen zwei jüngeren Schwestern Larissa und Mara und unserem Mops Milow in einer kle