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Main Data
Author: Martin Benninghoff
Title: Der Spieler Wie Kim Jong-un die Welt in Atem hält
Publisher: Klett-Cotta
ISBN/ISSN: 9783608191486
Edition: 1
Price: CHF 13.20
Publication date: 01/01/2019
Content
Category: Biografien
Language: German
Technical Data
Pages: 352
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Wie gefährlich ist die Bedrohung, die von Nordkorea ausgeht? Und wie unberechenbar ist sein Herrscher, dessen Experimente mit Atomwaffen weltweit für Angst und Schrecken sorgen? Martin Benninghoff, der das Land mehrfach bereiste, enträtselt die dunkle Faszination um die Kim-Dynastie und zeigt mögliche Wege in die Zukunft der geteilten koreanischen Halbinsel auf. Über kein Land der Welt ergießt sich so viel Spott wie über Nordkorea, das mit seinen auf den ersten Blick roboterhaften Bewohnern und einem anachronistischen Kommunismus, der überall sonst ausgestorben ist, bizarr und befremdlich auf uns wirkt. Zwischen Propaganda, Arbeitslagern und Diktatorenkult scheint das isolierte Land weltfremd und entrückt. Doch in der gegenwärtigen Lage zwischen Wiederannäherung und Drohgebärden stellt sich drängender denn je die Frage, was den Machthaber Kim Jong-un antreibt und wie er tickt. Hat der Diktator das Zeug zum pragmatischen Reformer, der sein Volk in bessere Zeiten führt? Oder ist er nichts als der Maoist mit Betonfrisur, dem eine veraltete, menschenfeindliche Ideologie über die praktische Vernunft geht? Kim Jong-un hat nur eine Chance, vor der Geschichte zu bestehen: Er muss sein Land öffnen, wirtschaftlich reformieren und sich klar wegbewegen von der brutalen Repressionspolitik seiner Vorgänger und seiner eigenen bisherigen Amtsjahre. Die Alternative ist ein Rückfall in die dunkelsten Zeiten Nordkoreas, in der Hungersnöte und die Angst vor Denunziation den Alltag beherrschten und der die Aussicht auf Freiheit für die von der Welt abgeschnittenen Menschen in unerreichbare Ferne rücken lässt. Zeitgeschichte aus einem Land vor unserer Zeit. »Ein spannender und informativer 'politischer Reiseführer' für das am stärksten abgeschottete Land der Welt - klar analysiert und lebhaft beschrieben.« Alexander Graf Lambsdorff, Außenpolitiker, und früherer Vizepräsident des Europäischen Parlaments »Ein kluges, sehr lesenswertes Buch über ein Land, dessen Atomprogramm einen der gefährlichsten Konflikte der Welt provoziert.« Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz »Martin Benninghoff beschreibt auf ebenso scharfsinnige wie unterhaltsame Weise ein Land, das den meisten von uns aufgrund seiner praktisch vollständigen Abschottung vor allem ein Rätsel ist.« Norbert Röttgen, Außenpolitiker, MdB und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses

Martin Benninghoff, geboren 1979, hat Politikwissenschaften studiert und die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft absolviert. Nach Stationen bei dem Deutschen Bundestag, dem Kölner Stadt-Anzeiger, der Financial Times Deutschland und bei Günther Jauch (ARD) in Berlin ist er heute Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit 2010 schreibt er über die koreanische Halbinsel und hat Nordkorea mehrmals ausgiebig bereist. Als Experte zum Thema Nordkorea steht er immer wieder vor der Kamera.
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Kim Jong-un


Es war im Spätherbst 2011, als ich zum ersten Mal nach Nordkorea fuhr. Ich weiß es wie heute, weil mich vor der Abfahrt in Peking ein mulmiges Gefühl beschlich, wie ich es selten erlebt hatte. Ich stand vor dem Hotel in Sichtweite des Bahnhofes, ging los und zog mein Rollköfferchen die belebte Straße entlang. Anschließend ließ ich die flughafenähnlichen Sicherheitskontrollen über mich ergehen und richtete mich in der Schlafwagenkabine des Zuges ein, die ich für die nächsten 30 Stunden mit drei biertrinkenden und trockenfischkauenden Chinesen teilen sollte.

Mir war mulmig zumute, weil ich beim Reisen niemals zuvor eine so große innere Zerrissenheit gespürt hatte. Ich war zwar gut vorbereitet, hatte Bücher über Nordkorea, die Diktatorenfamilie der Kims sowie zur koreanischen Geschichte verschlungen, und doch spürte ich, dass ich abseits aller Fakten im Grunde furchtbar unvorbereitet war.

Nordkorea war damals wie heute ein Staat gewordenes Schwarzes Loch, das einen im Moment des Betretens einsaugt und für ein paar Tage oder Wochen verschwinden lässt. Damals musste ich sogar noch mein Handy an der Grenze abgeben, heute darf man immerhin diesen Kontakt zur Außenwelt mitnehmen.

Ja, es stimmt, das Land wandelt sich. Trotzdem bekommt man auch heute kaum Gelegenheit, nach Hause zu telefonieren oder auch nur eine Textnachricht zu schreiben. Soziale Medien kann man während seines Aufenthaltes ebenso getrost vergessen wie die schnelle Google-Suche, wenn man nachrecherchieren möchte, was der Reiseleiter einem über das Land und seine Menschen berichtet.

Das hat auch sein Gutes: Wer nach Nordkorea reist, verlässt sich auf seine Augen und seinen Verstand, schärft seine Sinne für das