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Main Data
Author: Karl Pilny
Title: Tanz der Riesen Indien und China prägen die Welt
Publisher: Campus Verlag
ISBN/ISSN: 9783593402468
Edition: 1
Price: CHF 20.60
Publication date: 01/01/2006
Content
Category: Lexika/Wörterbücher
Language: German
Technical Data
Pages: 372
Kopierschutz: Wasserzeichen/DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB/PDF
Table of contents
Der Schwerpunkt der globalen Wirtschaft verschiebt sich immer mehr auf den asiatischen Raum, vor allem auf Indien und China. Dieses Buch analysiert erstmals Wirtschaft, Politik und Kultur der beiden Länder sowie deren Beziehungen zueinander und leitet daraus Szenarien für die Weltwirtschaft und die globale Politik ab.

Dr. Karl H. Pilny, Autor von Das asiatische Jahrhundert (Campus 2005), ist ein profunder Kenner Asiens, der sich beruflich seit 20 Jahren mit der Geschichte, Kultur und wirtschaftlichen Entwicklung der Region beschäftigt. Er ist Partner einer renommierten englischen Anwaltskanzlei, die sich auf internationales Wirtschaftsrecht spezialisiert hat.
Table of contents
Indien und China sind für die Geschichte der Menschheit von großer Bedeutung. Von den vier großen Weltreligionen Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus wurden zwei in Indien geboren, und China steuerte den nach wie vor bedeutsamen Konfuzianismus bei. Von den vier frühesten Hochkulturen der Erde, die in Ägypten, Mesopotamien, im Indusdelta und in den großen Deltagebieten Chinas entstanden waren, haben nur die letzten beiden überlebt. China wie Indien standen zivilisatorisch und kulturell jahrtausendelang im Zentrum einer eigenen Welt. Zum größten Teil war die Beziehung des konfuzianistisch geprägten Chinas und des hinduistischen Indiens durch freundschaftliche Zusammenarbeit und kulturellen Austausch charakterisiert. Indien gab China den Buddhismus, der sich von dort aus weiter in die chinesische und südostasiatische Welt ausbreitete. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts gehörten sie zu den reichsten und mächtigsten Nationen der Erde, die dann zeitgleich durch das Erstarken der europäischen Kolonialreiche zur Bedeutungslosigkeit verdammt beziehungsweise zur Kolonie herabgewürdigt wurden. Beide Reiche litten stark unter dem Imperialismus der Westmächte. Während China nach den verlorenen Opiumkriegen Anfang des 19. Jahrhunderts den Status einer aufgeteilten, aber dennoch autonomen Nation, also einer Halbkolonie hatte, gerieten große Teile Indiens direkt unter englische Kolonialherrschaft. Etwa zur gleichen Zeit, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, betraten beide Nationen erneut die Bühne der Weltpolitik. 1949 wurde die Volksrepublik China ausgerufen und Indien erlangte 1947 seine politische Unabhängigkeit. Hatten sie noch Anfang der fünfziger Jahre mehr oder minder gleiche Ausgangsbedingungen, so erlangte China vor dem Hintergrund wachsender Rivalität in den letzten Jahrzehnten einen großen Vorsprung gegenüber Indien. Seit Anfang der neunziger Jahre ist Indien jedoch dabei, diesen wieder aufzuholen. Nach einer vorsichtigen Annäherung in den vergangenen sechs Jahren kam es im April 2005 nach dem Besuch von Ministerpräsident Manmohan Singh in Peking zu einer historischen Wende in der Beziehung der beiden Länder. Singh und Wen begrüßten das Zusammengehen der Brüder Indien und China als den ersten Schritt zu einer Veränderung der Weltordnung. Das asiatische Jahrhundert, das vor allem ein indisch-chinesisches sein soll, werde eingeleitet durch die Brücke der Freundschaft. Diesen Worten folgten Taten. Erstmals wurden ernsthafte Schritte zur Beilegung des langjährigen Grenzkonfliktes unternommen. Im Bereich der Informationstechnologie stellen sich erste Synergien ein: China ist inzwischen der größte Hersteller von Computern, während Indien auf dem Weg ist, zum wichtigsten Software-Produzenten aufzusteigen. Durch weitere umfassende Kooperationen wie zum Beispiel dem Energiesektor soll das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern, das sich in den letzten fünf Jahren schon auf über 18 Milliarden US-Dollar erhöht hat, bis zum Jahre 2010 nochmals verdoppelt werden. Am wichtigsten ist jedoch das neue beziehungsweise alte Selbstverständnis der beiden Länder. Indien und China betrachten sich nun eher als Partner, die eine wichtige Rolle beim Aufbau einer neuen internationalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung spielen wollen. Zwar waren und sind die beiden Länder Rivalen im Kampf um Märkte, Ressourcen und Einfluss in Asien, jedoch erkennen beide die Notwendigkeit einer - zumindest - vorübergehenden Kooperation an. Vielleicht ist es möglich, durch die Schaffung einer historischen Partnerschaft fortan gemeinsam die globalen Umwälzungen des asiatischen Jahrhunderts zu gestalten. Wenn die beiden Riesen zusammen tanzen, wird dies die Welt, so wie wir sie kennen, erschüttern. Ob diese beiden gemeinsam tanzen werden oder jeder nur für sich allein, ist eine Frage, die in Europa und Deutschland - die den Zenit ihrer Bedeutung wohl schon überschritten haben - niemanden kalt lassen kann. Welche Auswirkungen hat dieser Tanz auf uns? Kann man nur tatenlos zusehen oder sich auf die neuen Verhältnisse einstellen? Im asiatischen Jahrhundert ist die Einschätzung der wichtigsten Protagonisten in Asien Conditio sine qua non, um epochale Umwälzungen zu begreifen und das eigene Verhalten auszurichten. Im Sog der tanzenden Riesen können sich auch bei den restlichen Staaten und den multilateralen Strukturen Asiens schon bald gravierende Zentrifugalkräfte ergeben.