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Hauptdaten
Autor: Georg Juckel
Titel: Serotonin und akustisch evozierte Potentiale Auf der Suche nach einem verlässlichen Indikator für das zentrale 5-HT-System
Verlag: Steinkopff
ISBN/ISSN: 9783798515482
Auflage: 1
Preis : CHF 67.30
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Medizin & Pharmazie
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 203
Kopierschutz: DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF
Inhaltsangabe

Bislang steht für das serotonerge System beim Menschen kein valider Indikator zur Verfügung. Es gibt nun verschiedene Hinweise darauf, dass die Lautstärkeabhängigkeit der akustisch evozierten N1/P2-Komponente (LAAEP) als ein solcher Indikator in Frage kommt: Eine starke LAAEP zeigt eine niedrige serotonerge Aktivität, eine schwache LAAEP zeigt eine hohe serotonerge Aktivität. Ziel der hier beschriebenen Untersuchungen war es, diese Hypothese zu untermauern. Die Befunde belegen den Zusammenhang von LAAEP und dem serotonergen System und seine Spezifität. Entscheidend ist dabei auch die Nützlichkeit der LAAEP als Indikator des serotonergen Systems bei wichtigen klinisch-psychiatrischen Fragestellungen, beispielsweise der Prädiktion der individuellen Ansprechwahrscheinlichkeit auf Antidepressiva oder Rezidivprophylaktika. Eine Reihe von erfolgreichen Studien hierzu dürfte die baldige Einführung der LAAEP in die klinische Praxis rechtfertigen.

Inhaltsangabe

5 PRÄDIKTIVE BEDEUTUNG DER LAAEP BEI SEROTONINAGONISTEN (S. 97-98)

5.1 Einführung
Wenn tatsachlich eine starke Lautstarkeabhangigkeit der akustisch evozierten NllP2-Komponente Patienten mit einer niedrigen serotonergen Aktivitat charakterisiert, dann darf erwartet werden, daß solche Patienten besonders gut auf eine Behandlung mit Serotoninagonisten, also Substanzen, die die Aktivitat des serotonergen Systems erhohen, ansprechen (Joyce und Paykel, 1989, Celada et al., 1992, Figueras et al., 1999).

Aus der Literatur lassen sich Hinweise ableiten, dass die LAAEP als Pradiktor des Ansprechens auf serotoninagonistische Substanzen recht gut geeignet ist. So konnten mehrere Studien konsistent zeigen, dal3 Patienten mit einer starken LAAEP oder Intensitatsabhangigkeit der VEP besser auf eine akut antidepressive oder antimanische Behandlung mit Lithium ansprachen als solche rnit einer schwachen Intensitatsabhangigkeit (zum ljberblick siehe Hegerl und Herrmann, 1990).

Dies gilt auch fur die langfristige rezidivprophylaktische Behandlung von Patienten rnit affektiven Störungen mit Lithium. Hegerl et al. (1987) fanden, dass Patienten, die fur 5 Jahre rezidivprophylaktisch mit Lithium behandelt worden waren und darunter keinen Ruckfall erlitten hatten, eine starkere Lautstarkeabhangigkeit der NllP2-Komponente (AEP) aufwiesen als diejenigen, die unter dieser Behandlung ruckfallig waren. Dieser Befund konnte in einer anderen retrospektiven Studie repliziert werden. Erneut zeigten Responder einer Lithium-Prophylaxe eine signifikant starkere LAAEP (Hegerl et al., 1992). Bruneau et al. (1989) untersuchten LAAEP und die urinare Serotonin- Ausscheidung bei 13 Kindern rnit autistischem Verhalten. Anschliel3end wurden diese fur 3 Monate rnit Fenfluramin behandelt.

Vor dem Beginn der Behandlung hatten die 6 Kinder, die positiv auf die Therapie rnit Fenfluramin ansprachen, eine starkere LAAEP und niedrigere Serotonin-Konzentrationen im Urin als die Non-Responder. Paige et al. (1994) untersuchten 12 depressive Patienten, die rnit dem SSRl Fluoxetin fur vier Wochen behandelt wurden. Die Responder auf diese Therapie wiesen eine signifikant starkere LAAEP vor Behandlungsbeginn auf.

Depressive Patienten, die rnit einer Abnahme der LAAEP auf eine Testdosis mit dem SSRl Fluvoxamin reagierten (das waren vermutlich die Patienten mit einer niedrigen serotonergen Aktivitat), respondierten auf eine spatere vierwochige Behandlung rnit Fluvoxamin besser, als die Patienten, die keine LAAEP- Abnahme gezeigt hatten (Hegerl und Juckel, 1993). In diesem Zusammenhang ist es erwahnenswert, daß depressive Patienten, die gut auf einen therapeutischen Schlafentzug ansprachen, der neben vielen anderen Wirkungen vor allem auch eine serotoninagonistischen Effekt hat (Salomon et al., 1994), durch eine starkere LAAEP gegenuber den Non- Respondern gekennzeichnet waren (Kasper et al., 1988).

Bei den bisher zur pradiktiven Bedeutung der LAAEP durchgefuhrten alteren Studien, stand das Verfahren der Dipolquellenanalyse nicht zur Verfugung. In den hier dargestellten Studien wurde der Frage nachgegangen, ob die LAAEP zur Pradiktion hier nun unter Verwendung der Dipolquellenanalyse erfolgreich Responder einer serotoninagonistischen Behandlung mit Lithium, Paroxetin oder Citalopram anhand einer starkeren LAAEP des tangentialen Dipols zu identifizieren vermag. Paroxetin und Citalopram sind SSRI, die bei Iangerer Gabe wahrscheinlich aufgrund der Desensitivierung der serotonergen Autorezeptoren (vor allem des somatodendritischen 5-HTqA-Rezeptors) die serotonerge Neurotransmission deutlich erhohen und so ihre antidepressive Wirkung entfalten (Blier et al., 1998, Blier und de Montigny, 1999).

Inhaltsverzeichnis
DANKSAGUNG7
INHALTSVERZEICHNIS9
1 EINLEITUNG12
1.1 Das serotonerge System13
1.1.1 Anatomie des zentralen serotonergen Systems14
1.1.2 Funktion und Bedeutung des zentralen serotonergen Systems16
1.1.3 lndikatoren des zentralen serotonergen Systems ?22
1.2 Akustisch evozierte Potentiale28
1.2.1 Komponenten der akustisch evozierten Potentiale29
1.2.2 Generierende Strukturen und Prozesse der akustisch evozierten Potentiale31
1.2.3 Dipolquellenanalyse36
1.3 Lautstarkeabhangigkeit akustisch evozierter Potentaile (LAAEP)40
1.3.1 Augmenting-Reducing-Konzept der LAAEP41
1.3.2 Gegenwartige Auffassung der LAAEP43
1.3.3 EinflussgroRen auf die LAAEP46
1.3.4 Neurobiologische Grundlagen der LAAEP47
1.4. Serotonerges System und akustischer Kortex50
1.4.1 Serotonerge Modulation der LAAEP51
1.4.2 Inverse Beziehung der serotonergen Aktivitat zur LAAEP54
2 ALKOHOL, SEROTONIN UND LAAEP59
2.1 Einfuhrung59
2.2