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Main Data
Author: Ulrike Demmer, Daniel Goffart
Title: Ursula von der Leyen Die Biografie
Publisher: Piper Verlag
ISBN/ISSN: 9783492996112
Edition: 1
Price: CHF 9.60
Publication date: 01/01/2019
Content
Category: Biografien
Language: German
Technical Data
Pages: 256
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Ulrike Demmer und Daniel Goffart haben sich auf die Spur der Ausnahmepolitikerin Ursula von der Leyen gesetzt und ein kritisches Porträt der prominenten Christdemokratin verfasst. Die beiden Autoren zeichnen den Lebensweg der streitbaren Tochter des langjährigen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht nach und erzählen, wie aus dem braven 'Röschen' eine Ärztin, siebenfache Mutter und weltläufige Ministerin wurde. Jetzt muss sich die frühere Verteidigungsministerin als erste Frau an der Spitze der EU-Kommission behaupten.

Ulrike Demmer arbeitete nach Stationen beim RBB und beim ZDF sieben Jahre für den SPIEGEL, wo sie sich als Spezialistin für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik einen Namen machte. Für ihre politischen Reportagen wurde Demmer 2011 mit dem Henri-Nannen-Preis und dem Deutschen Reporter-Preis ausgezeichnet. Seit Juni 2016 ist sie stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung. Daniel Goffart begann als Rechtsanwalt und arbeitete im Management eines deutschen Konzerns. Goffart leitete später beim Handelsblatt das Ressort 'Wirtschaft & Politik' und ist heute Chefkorrespondent beim Nachrichtenmagazin FOCUS in Berlin. Er hat den Aufstieg von Ursula von der Leyen über Jahre verfolgt und viele Gespräche mit der CDU-Politikerin geführt. Im Piper Verlag erschien sein Buch 'Das Ende der Mittelschicht' (2019).
Table of contents

Prolog


Die Heimkehr nach Brüssel


Ursula von der Leyen atmet sichtbar aus. Dann legt sie erst die rechte Hand flach auf den Brustkorb, wenig später auch die linke. Vor den Augen Europas, vor den Augen aller Welt fällt ihr ein Stein vom Herzen. Die Parlamentarier der Europäischen Union haben die deutsche Verteidigungsministerin soeben zur neuen Präsidentin der Kommission gewählt. 374 Stimmen von den 747 EU-Abgeordneten waren nötig, 383 Stimmen hat sie erhalten. Nur neun Stimmen mehr, das ist nicht viel. Ein überwältigender Vertrauensbeweis sieht anders aus. Dennoch gilt auch im Europäischen Parlament in Straßburg der alte Spruch von Konrad Adenauer: »Mehrheit ist Mehrheit«. Und angesichts der schwierigen Verhandlungen zwischen den Staatsund Regierungschefs im Vorfeld ihrer Nominierung ist das Ergebnis in den Augen mancher Beobachter sogar eine Überraschung  viele hatten den Daumen gesenkt.

Ursula von der Leyen hat gewonnen. In ihren sonst beherrschten Gesichtszügen ist echtes Glück zu lesen. Ihre blauen Augen strahlen. Nach Wochen der Ungewissheit lösen sich alle Anspannungen. Sie ist angekommen.

Um 19:34 Uhr an diesem 16. Juli 2019 twittert sie ihren Dank und ihre Erleichterung in den wichtigsten Sprachen der Gemeinschaft an die Europäer und Europäerinnen. » ! Hvala! Dkuji! Tak! Bedankt! Thank you! Aitäh! Kiitos! Merci! Danke! ! Köszönöm! Go raibh maith agat! Grazie! Paldies! Ai! Grazzi! Dzikuj! Obrigada! mulumire! akujem! ¡Gracias! Tack!« Sie ist die erste Frau und nach mehr als einem halben Jahrhundert auch die erste Deutsche an der Spitze der Kommission.

Ursula von der Leyen ist eine streitbare Politikerin. Sie wird entweder verehrt oder abgelehnt. Dazwischen gibt es wenig. Das gilt für die breite Öffentlichkeit ebenso wie für ihre Partei. In der CDU drückt sich das bei Wahlen auf Parteitagen stets in sehr mäßigem Zuspruch aus. Von der Leyen ist im Haus ihres Vaters zwar mit der CDU aufgewachsen, aber erst sehr spät selbst in die Partei eingetreten. Ihr fehlen trotz ihrer Abstammung der »Stallgeruch« und die Vertrautheit. Ein politischer Kumpeltyp ist von der Leyen nie gewesen. Dennoch ist sie in den vergangenen Jahren oft für höchste Ämter gehandelt worden.

Sie galt viele Jahre lang als Kanzlerin der Reserve. Kurz schien auch das Amt der Bundespräsidentin möglich. Von der Leyen ist die dienstälteste Ministerin im Kabinett von Angela Merkel. Als Familienministerin führte sie das Elterngeld ein und profilierte sich. Dadurch empfahl sie sich für höhere Aufgaben. In der schwarzgelben Bundesregierung wechselte sie in das Bundesarbeitsministerium, das zu den größten und finanzstärksten Ressorts zählt. Seit Beginn der schwarzroten Koalition ist sie Bundesverteidigungsministerin. Derzeit hat sie mit einer Berateraffäre zu kämpfen. Trotzdem hielt sie sich bis heute in dem als »Drachenburg« gefürchteten Ministerium.

Jetzt wird sie zur mächtigsten Europäerin. Die Personalie ist kein deutscher Sieg, kein genialer Feldzug von Kanzlerin Angela Merkel. Im Gegenteil. Die Kanzlerin hat sich bei der Abstimmung im Europäischen Rat sogar enthalten müssen. Die Nominierung von der Leyens ist für die Welt eine Überraschung. Er komme sich wie in einer amerikanischen Fernsehserie vor, sagt FDP-Chef Christian Lindner in die Fernsehkameras, plötzlich werde »Ursula von der Leyen wie das Kaninchen aus dem Zylinder gezogen«. Ursula von