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Main Data
Author: Michaela Karl
Title: 'Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen.' Maeve Brennan. Eine Biographie
Publisher: Hoffmann und Campe Verlag
ISBN/ISSN: 9783455005769
Edition: 1
Price: CHF 16.10
Publication date: 01/01/2019
Content
Category: Biografien
Language: German
Technical Data
Pages: 320
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
New York City, 1955. High Heels klackern auf der 5th Avenue. Im Kleinen Schwarzen, mit Perlenkette und Beehive ist Maeve Brennan auf dem Weg in den New Yorker. Sie ist ein Star ihrer Zeit, gefeierte Autorin und New Yorks Mode-Ikone. Angeblich dient sie sogar als Vorbild für die weltberühmte Figur der Holly Golightly in Truman Capotes Breakfast at Tiffany's. Ihr Leben ist perfekt. Doch ihr Lebensmotto lautet nicht umsonst: »Bis zum Chaos ist es nur ein kleiner Schritt ...« Irland und ihre revolutionären Eltern hat Maeve Brennan hinter sich gelassen, ebenso wie eine turbulente Affäre mit Charles Addams, dem Kopf hinter der Addams Family. Die Stelle als Moderedakteurin bei Harper's Bazaar in New York scheint ihr auf den Leib geschneidert zu sein, doch die exzentrische und messerscharf schreibende junge Frau steigt noch höher auf: zur landesweit bekannten Autorin des legendären New Yorkers. Alkohol und der Cary Grant der Journalistenszene locken sie ebenso wie das Verlangen nach einem selbstbestimmten Leben. Michaela Karl, bekannt für ihre detailreichen und ungewöhnlichen Frauenbiographien, erzählt eindrucksvoll von einer schillernden Persönlichkeit auf dem schmalen Grad zwischen Glamour und Wahnsinn.

Michaela Karl, geboren 1971, studierte in Berlin, München und Passau Politologie, Geschichte und Psychologie. 2001 promovierte sie an der FU Berlin mit einer Arbeit über Rudi Dutschke. Ihre Biographien über Dorothy Parker, Zelda und F. Scott Fitzgerald und ihr Buch über Bonnie und Clyde waren allesamt von der Presse hochgelobte Bestseller. Bei Hoffmann und Campe erschien zuletzt ihre Unity-Mitford-Biographie <EM>Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an</EM> (2016). Michaela Karl ist Mitglied der Münchner Turmschreiber.
Table of contents

Es gibt ein frohes Land
In weiter, weiter Ferne,
Wo man Ei und Schinken isst.
Dreimal am Tag und gerne.

Maeve Brennan, Die Besucherin

I. »Du hast aus deiner Kindheit solch eine Tragödie gemacht, dass ich damit nicht wetteifern wollte.«


Ich war einst eine stolze Irin

»Ich weiß nicht, ob man sie in Irland für eine irische Schriftstellerin hält, oder für eine amerikanische. Faktisch ist sie beides, und beide Länder sollten stolz darauf sein, sie für sich reklamieren zu dürfen«, schrieb William Maxwell in seinem Vorwort zu einem Erzählband von Maeve Brennan.18 Tatsächlich beschäftigt kaum eine Frage die Fangemeinde der Autorin mehr als diese. Was war sie nun? Stylish oder irish? Die Antwort darauf war nie einfach  nicht einmal für sie selbst. Denn ihr Geburtsland Irland prägte Maeve Brennan so sehr, dass sie selbst als New Yorker Stilikone ihre Wurzeln nie ganz verleugnen konnte  so sehr sie sich auch darum bemühte.

Maeve Brennan wuchs zu einer Zeit auf, in der die grüne Insel einmal mehr um Autonomie focht. Blutige Zusammenstöße mit den englischen Besatzern, aber auch zwischen Iren unterschiedlichen Glaubens waren an der Tagesordnung und prägten die irische Politik des 20. Jahrhunderts. Maeves nationalistische Eltern waren fanatische Kämpfer für die Unabhängigkeit  die irische Kultur war im Hause Brennan allgegenwärtig.

Als Maeve geboren wurde, gehörte Irland seit mehr als 100 Jahren zu Großbritannien, doch die Stimmen, die eine Loslösung vom Vereinigten Königreich forderten, waren nie verstummt und vor allem nach dem irischen Trauma der Great Famine lauter und lauter geworden.

Die Große Hungersnot war die größte Katastrophe in der Geschichte Irlands. Ihr fielen zwischen 1845 und 1849 mehr als eine Million Menschen zum Opfer. Die britische Regierung hatte auf den Fäulebefall der Kartoffel, dem Hauptnahrungsmittel der Iren, mit einem verfehlten Krisenmanagement reagiert  mit verheerenden Folgen. Die Iren werteten die ergriffenen Maßnahmen als versuchten Genozid. Allein durch Nahrungsmittellieferungen aus den USA konnte das Schlimmste verhindert werden. Dass die britische Regierung diese Hilfsleistungen erst nach internationalen Protesten ins Land ließen, steigerte den Hass der Iren auf die Besatzer ins schier Unendliche. Hilflos hatten sie mit ansehen müssen, wie Getreide aus Irland in Richtung England exportiert worden war, während die eigene Bevölkerung verhungerte. Als viele Pächter aufgrund des Ernteausfalls nicht mehr in der Lage waren, ihre Pacht zu bezahlen, wurden sie von den Großgrundbesitzern gnadenlos von ihren Höfen vertrieben, ohne dass die britische Regierung ihnen zu Hilfe kam. Mehr als eine Million Iren verließen während der Hungersnot ihre Heimat in Richtung USA, Kanada oder Australien.

In den folgenden Jahren verzeichnete die Unabhängigkeitsbewegung einen enormen Zulauf, und der Druck auf die britische Regierung, der Insel »Home Rule«, sprich Selbstverwaltung, zu gewähren, wuchs. Im ganzen Land kam es zu Unruhen und lokalen Aufständen. 1882 gründeten die Home-Rule-Anhänger um Charles Stewart Parnell