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Main Data
Author: Silke Petersen
Title: Maria aus Magdala Die Jüngerin, die Jesus liebte
Publisher: Evangelische Verlagsanstalt
ISBN/ISSN: 9783374035502
Edition: 3
Price: CHF 14.70
Publication date: 01/01/2019
Content
Category: Religion/Theologie
Language: German
Technical Data
Pages: 296
Kopierschutz: Wasserzeichen/kein Kopierschutz/DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF/ePUB
Table of contents
Maria aus Magdala, auch Magdalena genannt, ist im Laufe der Geschichte in sehr unterschiedlicher Weise dargestellt worden. Im Neuen Testament begegnet sie zunächst als Nachfolgerin Jesu und als Zeugin von Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung. In apokryph gewordenen Schriften des frühen Christentums ist sie Lieblingsjüngerin Jesu und empfängt von ihm besondere Offenbarungen. In späterer Zeit identifizierte man sie mit der salbenden Sünderin aus dem Lukasevangelium und schließlich wurde sie zum Inbegriff der reuigen Sünderin und Büßerin. In neuester Zeit mehren sich Spekulationen, sie sei die Geliebte oder Ehefrau Jesu gewesen. Das Buch geht den Verwandlungen der Magdalenengestalt durch die Zeiten nach, stellt aber auch die Rückfrage nach der historischen Maria aus dem galiläischen Ort Magdala und ihrer Rolle in der Jesusbewegung und als Zeugin der Osterereignisse.

Silke Petersen, Dr. theol., Jahrgang 1965, ist Privatdozentin für Neues Testament am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Hamburg. Arbeitsschwerpunkte: Johannesevangelium, apokryphe Texte des frühen Christentums, feministische Exegese und Genderforschung.
Table of contents

C. WIRKUNG


Im vorigen Kapitel standen die frühesten Quellentexte über Maria Magdalena im Zentrum: zunächst die im Neuen Testament kanonisierten Texte aus dem 1. und 2. Jh., dann die apokryph gewordenen Quellen, überwiegend aus dem 2., zum Teil auch aus dem 3. Jh. Nur auf der Basis dieser Texte lassen sich mögliche historische Aspekte der Gestalt Maria Magdalenas diskutieren. Je weiter wir uns dann von diesen Quellen ausgehend durch die Zeiten bewegen, desto vielschichtiger wird das Magdalenenbild. Dabei werden einerseits alte Texte und Traditionen wieder aufgenommen und variiert, andererseits treten auch vollkommen neue Elemente hinzu. Im folgenden Kapitel werden Beispiele für beide Arten von Fortschreibungen thematisiert. Dabei ist es nicht möglich, das ausgesprochen reichhaltige und vielschichtige Material an Texten (und für spätere Zeiten auch an Bildern und Filmen) auch nur annähernd vollständig zu berücksichtigen. Der Schwerpunkt wird darauf liegen, einerseits spezifische Entwicklungslinien nachzuzeichnen und andererseits besonders repräsentative und verbreitete neue Themen und Motive exemplarisch vorzustellen.

1. FIGURENKONSTELLATIONEN:
MARIA AUS MAGDALA, PETRUS UND DIE MUTTER MARIA


Im Folgenden soll es zunächst um jene Verschiebungen im Magdalenenbild gehen, die schon in der frühen Rezeption zu verzeichnen sind. Zunächst stehen weiterhin Anknüpfungen an die Ostergeschichten im Vordergrund. Dabei tritt neben einer gewissen Kontinuität in einigen Texten auch ein neuartiges Element auf, nämlich die Ersetzung Maria Magdalenas durch andere Personen, vermittels derer die Rolle und Bedeutung Marias minimiert wird. Beginnen möchte ich jedoch mit einem wenig bekannten Text, der im Spektrum der Rezeptionen inhaltlich eher auf der Seite kontinuierlicher Fortschreibung steht, formal jedoch einer anderen Gattung als die Ostergeschichten zugehört. Bei dem nun folgenden Text handelt es sich um einen manichäischen223 Psalm, der im griechischen Original im späten 3. Jh. entstanden sein dürfte, uns aber (wieder einmal) nur in einer koptischen Übersetzung aus dem 4. Jh. erhalten ist.224 Die angeredete Maria des Psalms ist Maria aus Magdala: Darauf verweisen sowohl die Namensform wie auch die mehrfachen Bezüge zu Joh 20,1  18. Im ersten Teil des Psalms spricht Jesus sie an:

2 »[Marihamme], Marihamme, erkenne mich, halte [mich] nicht fest.225

4 Wisch die Tränen aus deinen Augen und erkenne

mich, dass ich dein Meister bin.

Nur halte mich nicht fest, denn ich habe das

6 Gesicht meines Vaters noch nicht gesehen.

Dein Gott wurde nicht heimlich weggenommen

nach den Gedanken deiner Kleinheit.

8 Dein Gott ist nicht gestorben,

sondern er hat den Tod besiegt.

Ich bin nicht der Gärtner; ich habe gegeben,

ich habe empfangen den []

Ich bin dir

10 [nicht] erschienen, bis ich deine Tränen und deine

Schwäche sah [] mich.

Tue ab diese Dunkelheit von dir und erfülle dieses Amt:

12 Sei für mich Botschafterin für diese umherirrenden

Waisen.

Werde schnell (wieder) froh und gehe zu den Elfen.

14 Du wirst sie versammelt finden am Ufer des Jordan.

Der Verräter überredete sie, Fischer zu sein wie

16 früher und ihre Netze niederzulegen,

mit denen sie Menschen zum Leben fingen.

18 Sage ihnen: Hört auf, lasst uns gehen, es ist euer Bruder,

der euch ruft. Wenn sie mein Bruder-Sein verachten,

sage ihnen:

20 Es ist euer Meister.

Wenn sie sich nicht kümmern um mein Meister-Sein,

sage ihnen: Es ist

22 euer Herr. Gebrauche jede Geschicklichkeit und alle

Ratschläge, bis du die Schafe zum Hirten gebracht hast.

24 Wenn du siehst, dass sie nicht mehr weiter wissen, ziehe

Simon Petrus an (deine) Seite. Sage ihm:

Erinnere dich an das, was ich geäußert habe

26 zwischen mir und dir.

Erinnere dich, was ich gesagt habe

zwischen mir und dir auf dem Berg

28 der Oliven: Ich habe etwas zu sagen,

ich habe niemanden, um es ihm zu sagen«.

30  »Rabbi, mein Meister, ich werde dein Gebot befolgen

in der Freude meines ganzen Herzens.

32 Ich will meinem Herzen keine Ruhe geben,

ich will meinen Augen keinen Schlaf geben,

ich will meinen Füßen keine Ruhe geben,

bis ich die Schafe nicht in den Pferch gebracht habe.«

34 »Ehre für Marihamme,

denn sie hat auf ihren Meister gehört,

[sie] befolgte sein Gebot

in der Freude ihres ganzen Herzens.«

Deutlich sind die durchgehenden Be

Table of contents
COVER1
IMPRESSUM5
INHALT6
VORWORT8
A. EINFÜHRUNG10
1. Maria Magdalenas Haare10
2. Wiedergefundene antike Texte und die historische Wahrheit19
3. Neutestamentliche Quellen23
B. DARSTELLUNG29
1. Maria aus Magdala im Neuen Testament29
1.1. Jüngerinnen Jesu29
1.2. Maria aus Magdala als Zeugin der Kreuzigung Jesu39
1.3. Die Frauen am Grab48
1.4. Maria begegnet dem Auferstandenen62
1.5. Divergenzen neutestamentlicher Osterüberlieferungen76
1.6. Maria nach Ostern?87
2. Apokryph gewordene Texte des frühen Christentums91
2.1. Nag Hammadi. Zu den Bezeichnungen »gnostisch« und »apokryph«91
2.2. Marias apokryphes Profil103
2.3. Die Jüngerin, die Jesus liebte113
Exkurs: Küsse im frühen Christentum129
2.4. Der Konflikt zwischen Petrus und Maria145
2.5. Maria und die Weiblichkeit164
3. Mutmaßungen über die historische Maria aus Magdala181
C. WIRKUNG198
1. Figurenkonstellationen: Maria aus Magdala, petrus und die Mutter Maria198
2. Maria, das Hohelied, Eva und die Apostelin der Apostel207
3. Sünderin und Büßerin. Die Gebeine Maria Magdalenas220
4. Noch einmal: Die Jüngerin, die Jesus liebte245
5. Magdalena-Doppelgängerinnen und das Evangelium nach Maria270
Epilog: Maria Magdalena als Zeitdiagnose275
D. VERZEICHNISSE279
1. Abkürzungen, Textausgaben und Übersetzungen der antiken Schriften279
1.1. Übergreifendes279
1.2. Einzelne apokryph gewordene Schriften280
1.3. Weitere antike Quellen283
2. Wissenschaftliche Monographien und Artikel284
3. Romane, Gedichte, Filme, Populäres292
4. Abbildungsverzeichnis295