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Main Data
Author: Rainer Wohlfarth, Bettina Mutschler
Title: Praxis der hundegestützten Therapie Grundlagen und Anwendung
Publisher: Ernst Reinhardt Verlag
ISBN/ISSN: 9783497612604
Edition: 1
Price: CHF 31.50
Publication date: 01/01/2020
Content
Category: Pädagogik
Language: German
Technical Data
Pages: 239
Kopierschutz: DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Hundegestützte Therapie erfreut sich immer größerer Beliebtheit und mehr und mehr Therapeuten möchten ihre Hunde in ihre Therapien einbeziehen. Doch warum ist es sinnvoll, einen Hund in einer Therapie einzusetzen? Welche Voraussetzungen sollten bei Mensch und Hund gegeben sein? Welche Eigenschaften sollte der ideale Therapiebegleithund besitzen und worauf sollten Therapeuten besonders achten? Die Autoren zeigen ebenso wissenschaftlich fundiert wie praxisorientiert den aktuellen Stand der hundegestützten Therapie auf. Sie beschreiben, warum der Einsatz von Hunden in der Therapie positive Wirkungen auf therapeutische Prozesse haben kann. Das Buch ist ein unverzichtbares Grundlagenwerk für alle, die Hunde in der Therapie einsetzen möchten. Dr. phil. Rainer Wohlfarth ist leitender Psychologe an der Max-Grundig-Klinik, leitet Ani.Motion, das Institut für tiergestützte Therapie in der Anima Tierwelt in Sasbachwalden und ist Präsident der European Society for Animal Assisted Therapy (ESAAT).Bettina Mutschler, Sasbachwalden, ist Hundeerziehungsberaterin (Bindungsgeleitete Hundeerziehung), Natural Dogmanship Instruktorin, Coach und Dozentin für tiergestützte Therapie in Theorie und Praxis.
Table of contents
> 2 Geschichte tiergestützter Therapie mit Hunden Die Anfänge Die Ursprünge des therapeutischen Einsatzes von Tieren lassen sich bis weit in die prähistorische Zeit zurückverfolgen, in denen Tiere oftmals als Inkarnationen von Geistern begriffen wurden, die heilende und magische Fähigkeiten haben. Von den primitiven Anfängen hat sich diese Figur in frühen Hochkulturen weiter entwickelt und gipfelte etwa in der akkadischen Hochkultur (3. Jahrtausend v. Chr.) im Glauben an die Göttin Gula. Sie galt als Göttin der Heilkunst, deren Symboltier der Hund war. Der Beginn der modernen tiergestützten Therapie kann auf das Jahr 1962 datiert werden. Damals erschien der erste wissenschaftliche Artikel The Dog as a Co-Therapist (Der Hund als Co-Therapeut) des amerikanischen Kinderpsychotherapeuten Boris Levinson ( Levinson, 1962 ). Einige Jahre später erschien sein wegweisendes Buch Pet-Oriented Child Psychotherapy ( Levinson, 1969 ). Levinson, der heute als Pionier der tiergestützten Therapie gilt, entdeckte durch Zufall, dass ein Tier ein Katalysator für menschliche Interaktionen sein kann. Die folgende Schlüsselgeschichte von Boris Levinson verdeutlicht, wie ein Tier einen Therapieprozess unterstützen kann: Die Eltern eines Jungen, der lange Zeit erfolglos behandelt wurde, baten Levinson, die Behandlung ihres Sohnes zu übernehmen. Daraufhin lud er sie zu einem Gespräch in seine Praxis ein. Die völlig verzweifelten Eltern erschienen bereits eine Stunde vor dem verabredeten Termin. Zu dieser Zeit war zufällig Levinsons Hund Jingles in der Praxis. Auf die stürmische Begrüßung durch Jingles reagierte der Junge nicht ängstlich, sondern drückte und streichelte das Tier. Nach einer Weile fragte das Kind, ob wohl alle Kinder, die in die Praxis kamen, mit dem Hund spielen dürften. Auf die zustimmende Antwort des Psychologen erklärte der Junge, dann auch wiederkommen zu wollen, um mit dem Hund zu spielen. Dies tat er dann einige Sitzungen lang, ohne Levinson selbst Beachtung zu schenken. Allmählich wurde dieser aber in das Spiel mit einbezogen. Langsam entwickelten die beiden eine gute Arbeitsbeziehung, an deren Ende die erfolgreiche Behandlung des Jungen stand. Nach dieser Erfahrung setzte Levinson nun auch bei seinen anderen Patienten Jingles als Eisbrecher ein und erreichte so, dass sich die psychisch auffälligen Kinder ihm mehr als je zuvor öffneten und ihre Reserviertheit und Feindseligkeit ihm als Therapeuten gegenüber aufgaben. In den 1970er Jahren bauten Sam und Elizabeth OLeary Corson an der Psychiatrischen Klinik der Ohio State University ein Tierversuchslabor auf, in dem sie das Verhalten von Hunden in unterschiedlichen Settings beobachten wollten. Sie hatten die Vorstellung, dass das Verhalten der Hunde ihnen einen Einblick in das Verhalten von Kindern und Jugendlichen erlauben würde. Da der Zwinger, in dem die Hunde gehalten wurden, nicht lärmgeschützt war, hörten die Patienten in der Abteilung für Jugendliche die Hunde bellen. Schon bald fragten Jugendliche, die bisher schweigsam waren und sich in sich zurückgezogen h