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Main Data
Author: Jens Mittelstenscheid
Title: Rezeption Heiner Müllers an Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts
Publisher: Grin Verlag
ISBN/ISSN: 9783640723454
Edition: 1
Price: CHF 14.60
Publication date: 01/01/2010
Content
Category: Sozialwissenschaften
Language: German
Technical Data
Pages: 100
Kopierschutz: kein Kopierschutz/DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF/ePUB
Table of contents
Magisterarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,0, Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für deutsche Literatur - Neuere deutsche Literatur), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Arbeit stellt eine Zusammenstellung und Betrachtung der Inszenierungen von Heiner Müller-Texten an Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20.Jahrhunderts dar. Berücksichtigt wurden zur Aufführung gebrachte Inszenierungen. Es gibt zu diesem Thema keine vergleichbare Literatur, auf die ich mich hätte stützen oder beziehen können. Im Ergebnis der Recherchen kristallisierten sich einerseits die besonderen Voraussetzungen und Bedingungen Dresdens als Theaterstadt für derartige Aufführungen als für eine Betrachtung wichtig heraus. Andererseits bildete sich die Konsequenz in der Bearbeitung der Texte von Heiner Müller, als zu untersuchendes Merkmal der Inszenierungen heraus. Es zeigte sich, dass sich aufgrund dieser Besonderheiten eine eigene, der gesonderten Betrachtung lohnende Rezeptionskultur in Dresden herausgebildet hatte.
Table of contents

3. Die zu betrachtenden Inszenierungen aus den 70er und 80er Jahren des 20.Jhd.


 

3.1 Inszenierungen von Werken Heiner Müllers am Staatsschauspiel Dresden in den 70er und 80er Jahren des 20. Jhd.


 


3.1.1 1979 "Philoktet", Regie: Friedrich Siebert


 

Die erste Inszenierung eines Müller-Stückes auf einer Dresdner Theaterbühne hatte am 30.Oktober 1979 Premiere. Mit Philoktet stand Müllers erste dramatische Bearbeitung eines antiken Stoffes auf dem Dresdner Spielplan. Bereits 1964 entstanden, hatte es gut 15 Jahre gedauert, ehe man sich seiner in Dresden annahm.

 

Friedrich Siebert, damals als Regieassistent und Abendregisseur am Hause tätig, übernahm die Umsetzung des Stückes, nachdem sich keiner der damals etablierten Regisseure des Hauses dafür entscheiden wollte sich Müller zu widmen. Siebert hatte Müller gelesen und in ihm, nach eigener Erinnerung, durchaus einen der wichtigen DDR-Dramatiker erkannt. Allerdings erschien es auch ihm schwierig und eine Herausforderung sich diesem Stoff zu stellen, zumal es die erste Müller-Inszenierung in Dresden sein sollte.

 

Der Dramaturg Dr. Gerhard Piens studierte mit Peter Hacks zusammen. Über ihn begriff Piens die Form als Ausdruck von Humanismus, wie Hacks dies immer wieder für sich beschrieb.

 

Am Beginn jeder Vorstellung gab es, angeregt durch Horst Schönemann, eine 7-8 Minuten dauernde Einführung in das Stück durch den Regisseur. Es wurde kurz in die antike Handlung eingeführt und die für das Müllersche Stück wichtigen Punkte und Aspekte herausgestellt. Schönemann vertrat stets die Ansicht eines Theaters für die Zuschauer. In diesem Sinne war die Einleitung vor der eigentlichen Inszenierung als ein Versuch zu verstehen, die Hürde des Müller-Stücks für das Publikum herunterzusetzen, indem eine möglicherweise existierende Wissenskluft zum historischen Stoff abgebaut werden würde.

 

3.1.1.1  Bühne, Kulisse, Requisiten und Musik

 

Im Grunde benötigt das Stück die größtmögliche Bühne eines Theaters, um seiner, wie es in einer konzeptionellen Überlegung zur Ausstattung der Dresdner Inszenierung heißt, ...philosophischen und künstlerischen Dimension[8] gerecht zu werden. Heiner Müller selbst sieht Brechts These vom größten Nutzen der Gesellschaft aus der Vorführung asozialer Verhaltensmuster als utopisch, solange die Teilung in Spieler und Zuschauer das Theater determiniert. Die, nur zweimal zur Aufführung gelangte, Inszenierung des Philoktet am Berliner Ensemble aus dem Jahre 1995 spannte den Bühnenraum daher weit und großflächig über die Bühne in den Zuschauerraum. Allein die optische Wi