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Main Data
Editor: Jens Hillje, C. Bernd Sucher, Christine Wahl
Title: Radikal jung 2020 Das Festival für junge Regie
Publisher: Verlag Theater der Zeit
ISBN/ISSN: 9783957492890
Edition: 1
Price: CHF 7.70
Publication date: 01/01/2020
Content
Category: Kunst/Grafik/Fotografie
Language: German
Technical Data
Pages: 112
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Das renommierte Festival für den professionellen Regienachwuchs Radikal jung präsentiert in München auch 2020 wieder die größtmögliche Bandbreite von Interessen, Herangehensweisen und Zugriffen einer jungen Generation von Theatermacherinnen und Theatermachern. Inszenierungen aus dem ganzen deutschen Sprachraum bilden die stetige Veränderung der Stadt- und Staatstheaterlandschaft ab. In ausführlichen Werkporträts werden in diesem Buch junge Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die schon jetzt die Theaterlandschaft von morgen prägen. Lucia Bihler Daniel Cremer Katrin Hammerl Florentina Holzinger Selen Kara Ewelina Marciniak Bonn Park Max Pross Anta Helena Recke Sasha Marianna Salzmann Rieke Süßkow caner teker ++ Das vom Volkstheater München ausgerichtete Festival Radikal jung sollte zum 16. Mal stattfinden. Der Gefahr Rechnung tragend, die vom Corona-Virus ausgeht, wurde das Festival kurzfristig abgesagt. Im vorliegenden Buch werden die zwölf Inszenierungen präsentiert, die von der Jury, bestehend aus Jens Hillje, C. Bernd Sucher und Christine Wahl, ausgewählt wurden. Die Textbeiträge renommierter Theaterkritiker sollen den Lesern einen Eindruck vermitteln von den Arbeiten des Regienachwuchses in der Spielzeit 2019/20. Berlin, März 2020 Verlag Theater der Zeit ++

Jens Hillje, geboren 1968. Studium der Angewandten Kulturwissenschaften in Perugia, Hildesheim und Berlin, Schauspieler, Autor und Regisseur bei freien Theatergruppen in und an der Universität Hildesheim. Seit 1996 Zusammenarbeit mit Thomas Ostermeier. 1996-1999 Co-Leiter und Dramaturg der Baracke des Deutschen Theaters. Seit September 1999 Mitglied der Künstlerischen Leitung und Chefdramaturg an der Schaubühne am Lehniner Platz. Prof. Dr. C. Bernd Sucher, studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Romanistik und promovierte über Martin Luther und die Juden. Von 1980 bis 1997 war er verantwortlicher Redakteur für Sprechtheater bei der Süddeutschen Zeitung. Seither arbeitet er als Theaterkritiker und ist Autor dieser Zeitung. Er unterrichtet an der Deutschen Journalistenschule in München und an der Universität Eichstätt. Seit 1998 konzipiert und leitet er den Studiengang Theater-, Film- und Fernsehkritik an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Außerdem ist er Mitglied verschiedener Jurys. Mit seiner Reihe von Lesungen Suchers Leidenschaften war er lange auch am Deutschen Nationaltheater Weimar zu Gast. Christine Wahl, geboren 1971 in Dresden, studierte Germanistik, Philosophie und Soziologie in Freiburg i. Br. und Berlin. Seit 1995 ist sie freie Journalistin und Theaterkritikerin u. a. für den Tagesspiegel, Theater heute und Spiegel online. Sie war Mitglied in diversen Jurys, u. a. für den Berliner Senat (Grimm-Preis 2007), das Theater Festival Impulse (2008/2009), den Hauptstadtkulturfonds (seit 2010) und das Berliner Theatertreffen (2011 und 2012).
Table of contents

Regie

Daniel Cremer


The Miracle of Love/Das Wunder der Liebe


von

Daniel Cremer

Uraufführung

1. November 2019

Koproduktion von

Künstlerhaus Mousonturm,

Frankfurt am Main,

Maxim Gorki Theater, Berlin,

und Theater im Bauturm, Köln

Choreografie

Kristianne Salcines

Kostüme

Aviv Shalem
(Asis dOrange)
und Melanie Bonajo

Dramaturgie

Anna Wagner
und René Michaelsen

Musik

L/N/A
(Elena Vignanelli)
und
Rory Mac Néill Aodha

Die Kunst der radikalen Sanftheit


Gabi Hift

Wenn man angenehm beschwingt aus der Show The Miracle of Love kommt, denkt man zuerst, es sei einem nichts Besonderes passiert. Die Farben sind vielleicht eine Spur intensiver als zuvor, die Musik klingt ein bisschen besser, die Menschen sehen irgendwie schöner aus, aber sonst ist nichts. Erst, wenn man plötzlich von purer kindischer Lebenslust überschwemmt wird, für die in der Welt kein Platz zu sein scheint, merkt man, dass es einen erwischt hat.

The miracle of love / Will take away your pain, sangen Eurythmics 1986. Den Titel hält man anfänglich für einen Scherz, das Thema Liebe steht zurzeit nicht gerade hoch im Kurs am Theater. Und Make love, not war gilt auch nicht direkt als die politische Strategie der Stunde. Aber Daniel Cremer meint es ernst und verführt uns mit einer aberwitzigen Mixtur aus Comedy und Selbsterfahrungstheater, wie sie in den letzten dreißig Jahren höchstens mal Christoph Schlingensief probiert hat.

Zur Begrüßung stöckelt eine schlampige Dragqueen mit Bart und blonder Perücke in den Raum, in einem bauchfreien, knöchellangen Stretch-Fummel, den sie selbst offenbar für hochelegant hält, wirft Kusshändchen in die Menge und stellt sich als Daniel Cremer vor. Sie hat ein Buch mit bonbonrosa Umschlag dabei, auf dem The Miracle of Love steht. Hier soll wohl die Präsentation eines Selbsthilfebuches stattfinden, samt Kostproben der darin beschriebenen Techniken. Und wir, das Publikum, sollen in dieser Simulation die Rolle von Fans der schrulligen Liebes-Guruessa übernehmen.

Weil sich das alles in angenehm ironischer Distanz bewegt, lassen wir uns amüsiert auf absurde kleine Begegnungsspiele ein: mit der Sitznachbarin diskutieren, ob man die gemeinsame Armlehne hinaufklappen und den Raum zwischen den Körpern öffnen möchte oder lieber nicht; in jene Stellen im Körper hineinatmen, wo einen das Patriarchat am meisten drückt und das mit einem kleinen Stöhnen hinauslassen usw. Aber das Perfide ist, dass es keine ironische Art gibt, tief einzuatmen oder jemand