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Main Data
Author: Volker Schunck
Title: Identity wie ich den christlichen glauben verstehe
Publisher: epubli
ISBN/ISSN: 9783750279537
Edition: 7
Price: CHF 9.60
Publication date: 01/01/2020
Content
Category: Philosophie
Language: German
Technical Data
Pages: 100
Kopierschutz: kein Kopierschutz
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Klingt es zu hochtrabend und eitel, wenn ich dieses Buch als mein Lebenswerk bezeichne? Vielleicht. Seit ich denken kann, bin ich Christ. Der christliche Glaube hat mich so sehr bestimmt, dass ich meinen Beruf als Industriekaufmann aufgegeben habe, um Theologie zu studieren. Es geht nicht mehr darum, hier bin ich, ein Mensch, der glaubt und dort ist Gott, sondern 'Gott' ist mir merkwürdig 'unter die Haut' gegangen, identitätsbestimmend. Daher auch der Name des Buches - 'Identity'. Auf ihn bin ich bei der Durchsicht einiger meiner Bücher gekommen. Mir ist aufgegangen, wie sehr der christliche Glaube mein Leben ausgemacht hat und ausmacht. Wie erfüllt und kostbar er mein Leben gemacht hat. Und das hat mich auf die Idee gebracht, die Texte aus den für mich wichtigsten Büchern, in einem Buch zusammenzufassen. Warum ein englischer Titel? Warum 'Identity' und nicht 'Identität'? Nicht weil er schicker ist, in einer Welt, die von iPhones® und iPads® nur so wimmelt, sondern weil in 'Identity' klarer das 'I' das 'Ich' zu lesen ist. Gemeinhin wird der christliche Glaube so verstanden: 'Die Kirche sagt dir, woran du glauben musst.' Ich habe das zu Anfang vielleicht auch so gedacht. Ich weiß nicht mehr. Ich habe den Glauben aber dann anders erlebt. Nicht als etwas Vorgegebenes, Statisches, das ich im Kopf als wahr ansehen muss, im schlimmsten Fall 'schlucken' muss, um als Christin oder Christ zu gelten. Ich habe den christlichen Glauben eher als lebendiges Vertrauen als ein Etwas-Für-Wahr-Halten erlebt. Eher als lebendigen Tanz, den Gott mit mir tanzt, als ein Glaubensgebäude, in das ich eingeschlossen bin. Kein Mensch ist jemals 'fertig'. So wie er oder sie an einem lebenslangen Entwicklungsprozess teilhat, so ist auch der christliche Glaube niemals 'fertig'. Die Texte dieses Buches, die über die letzten 20 Jahre entstanden sind, geben ein lebendiges Zeugnis davon.

Ich lebe in Dresden. Ich war erst Industriekaufmann, danach habe ich Theologie studiert. Durch die Beschäftigung mit Zen bin ich auf die christliche Mystik aufmerksam geworden. Der Glaube ist keine Weltanschauung sondern eine Seinsweise. Mein christlicher Glaube und meine Meditationserfahrungen beeinflussen meinen Alltag, in dem ich versuche achtsam zu sein. Aus diesem Geist entstehen auch meine Bücher.
Table of contents

SELIG - DIE BERGPREDIGT

Selig sind die Einfältigen,

denn ihnen gehört das Himmelreich.

(Mt 5, 3)

 

Vorwort

Die Bergpredigt ist so bekannt wie Die Zehn Gebote. Beide zeigen uns, wie wir in dieser Welt mit Gott und Mensch und uns selbst in Frieden leben können. Beide stehen nicht gegeneinander, sondern gerade hier wird deutlich, wie sich Altes und Neues Testament die Hand reichen. Ich gehe nicht näher auf einen Vergleich ein, denn wer Die Zehn Gebote kennt, dem fallen die Parallelen sofort ins Auge. Der Jude Jesus war Kind seiner Zeit, d.h. er hat das Alte Testament quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Aber Jesus hat nicht unkritisch die Frömmigkeit seiner Zeit geschluckt, sondern die jüdische Tradition, also seine eigene, kritisch hinterfragt und ihren Kern offengelegt. Auf die Frage nach dem höchsten Gebot antwortet er (Mk 12,28ff):

Liebe Gott und liebe deinen Nächsten.

 

Jesus reduziert die jüdische Tradition auf das Wesentliche, weil er das Wesen Gottes, den er seinen Vater nennt, kennt und als sein Sohn verkörpert. Das ist natürlich schon eine Glaubensaussage, die durch meine Beschäftigung mit den biblischen Texten entstanden ist.

 

Mein Theologiestudium liegt nun seit über 20 Jahren hinter mir. Ich gebe ehrlich zu, dass ich mittlerweile Mühe habe, die komplizierte Sprache der Theologie zu verstehen. Das habe ich gemerkt, als ich mich mit der theologischen Fachliteratur beschäftigt habe. Wenn ich ein Buch zitiere, heißt das nicht, dass ich mit allem einer Meinung bin, was die Autoren dort schreiben. Ich will mich auch nicht auf eine theologische Diskussion einlassen, dafür ist mir meine Zeit zu kostbar. Ich will mich mit diesem Buch auch nicht in die theologische Fachwelt einreihen, sondern einfach nur wiedergeben, wie ich die Bedeutung der Bergpredigt für heute verstehe.

 

Ist es nicht paradox? Jesus hat zu einfachen Menschen gesprochen und wir meinen, wir müssten erst 100 Bücher lesen, um ihre wesentlichen Aussagen verstehen zu können. Ich habe durch meine langjährige theologische Abstinenz fast wieder zu einem Laienverständnis der Bergpredigt zurückgefunden und bin mittlerweile wieder davon überzeugt, die Theologinnen und Theologen mögen jetzt lächeln, dass die Bibel, liest man sie mit offenem Herzen, im Wesentlichen auch ohne die Theologie verständlich ist. Selbst wenn Sie dieses Buch nicht lesen und Sie befassen sich vorurteilsfrei mit der Bergpredigt, werden Sie durch sie eine große Bereicherung für Ihr Leben erfahren.

 

Inhalt

 

Einleitung

Ich habe mich seit Wochen in die theologische Literatur über die Bergpredigt vertieft und mich unter anderem mit der Frage auseinandergesetzt: Was hat Jesus wirklich gesagt von dem, was in der Bergpredigt steht (ipsissima vox), und was hat ihm Matthäus nach bestem Wissen und Gewissen in den Mund gelegt, was seiner Meinung nach Jesus der Gemeinde des Matthäus außerdem noch hätte sagen können oder sagen müssen? Dazu gehört z.B. Mt 6, 1-18, in der Schlachter-Bibel mit Vom Almosen geben, Vom Beten und Vom Fasten überschrieben. Aber er nimmt auch Ergänzungen vor, die dem besseren Verständnis dienen sollen. Wie ist das z.B. gemeint, wenn Jesus im Lukasevangelium sagt: Selig sind die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich. (Lk 6,20)? Sind damit wirklich nur die Menschen gemeint, die kein Geld in der Tasche haben und von der Hand in den Mund leben? Oder ist das zu kurz gegriffen? Ist damit nicht viel eher etwas Immaterielles, Geistiges oder Geistliches gemeint? Nicht eher eine Herzenshaltung? Und so ringen wir nicht nur heute um eine Interpretation der Jesusworte, sondern schon die frühen Christinnen und Christen haben selbstverständlich die Worte Jesu zu verstehen versucht. Für Matthäus bedeutete das: Die Armen sind nicht nur die materiell Armen, sondern die geistig oder geistlich Armen. Das ist nichts Verwerfliches, wie es Gerd Lüdemann in seinem Buch Der erfundene Jesus suggeriert. Er spricht davon, dass der Vers, der auch im Lukasevangelium steht, von Matthäus umgebogen worden ist (S. Lüdemann, Gerd, Der erfundene Jesus, Unechte Jesusworte im Neuen Testament, 2008, S. 68).

 

Also bitte! Trifft das den Kern seiner Motivation, Jesus seiner Gemeinde nahezubringen und in die Herzen zu schreiben?

 

Wie de