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Main Data
Author: Eske Bockelmann
Title: Das Geld Was es ist, das uns beherrscht
Publisher: & Seitz Berlin Verlag
ISBN/ISSN: 9783957578884
Edition: 1
Price: CHF 22.00
Publication date: 01/01/2020
Content
Category: Geschichte
Language: German
Technical Data
Pages: 380
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Geld regiert die Welt, und die von ihm regierte Welt droht in einer Katastrophe zu enden - sozial und ökologisch. Doch warum bestimmt das Geld überhaupt über den Lauf der Welt? Worin besteht seine Herrschaft, dass selbst die mächtigsten Regierungen vor ihm strammstehen und wir uns kaum vorstellen können, dass es je anders gewesen sein könnte? In seiner grandiosen Schilderung, wie das Geld in die Welt kam, zeigt Eske Bockelmann entgegen den heute gängigen Überzeugungen, dass sich dieses besondere Tauschmittel erst im Europa des Spätmittelalters durchgesetzt hat - mag es davor auch Märkte und Münzen gegeben haben. Mit einem ungewöhnlich genauen Blick auf die Geschichte und Ethnologie des Wirtschaftens arbeitet er die Unterschiede zu vormonetären Gemeinwesen und ihrem sozialen Zusammenhalt ohne Geld heraus und beleuchtet die Etablierung der Marktwirtschaft in den freien Städten des späteren Mittelalters bis hin zum Platzen der ersten Finanzblase. Und mit dieser Herleitung des Geldes gelingt es endlich, auch das scheinbar ewige Rätsel zu lösen: was Geld überhaupt ist - und wie es zusammenhängt mit Wert und Kapital, Spekulation und Krise, Staat und Gesellschaft. Seine glänzend geschriebene Untersuchung ist revolutionär, noch über Marx hinaus: Gerade indem sie uns ein neues, tieferes Verständnis der Zwänge und der Allmacht des Geldes verschafft, eröffnet sie uns eine Perspektive auf eine zukünftige Welt, in der das Geld der Vergangenheit angehören könnte.

Eske Bockelmann, geboren 1957 in Friedrichshafen, ist klassischer Philologe und Germanist. Er wurde promoviert an der Universität München und habilitiert an der TU Chemnitz, wo er seit 1994 arbeitet. Von ihm erschien 2004 Im Takt des Geldes. Zur Genese modernen Denkens.  
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Prolog


des wil ich wesen gelt


Im Nibelungenlied wird erzählt, wie König Gunther, Herr der Burgunden, gemeinsam mit Recken wie Hagen von Tronje und einem Gefolge aus tausend seiner Leute den langen Weg an den Hof des Hunnenkönigs Attila unternimmt. Dorthin hat ihn dessen Gattin eingeladen, Gunthers Schwester Kriemhild, mit heimlich-finsteren Rachegedanken allerdings, die das Ganze in einem wüsten Blutbad werden enden lassen. Auf dieser Reise nun ergibt es sich eines Tages, als die Pferde müde geritten sind und der Proviant bereits zur Neige geht, dass der ganze Zug vor die Burg des Markgrafen Rüdiger gelangt. König Gunther schickt Leute hinein, die um gastliche Aufnahme bitten sollen, und Rüdiger lässt umgehend antworten, er werde die Ankömmlinge mit Freuden empfangen. Als sie dann vor ihn treten und er sie persönlich willkommen heißt, ehrt der Markgraf seine Gäste gar mit dem Versprechen, er werde für alles Sorge tragen, was sie mit sich führen, Pferde und Ausrüstung. Und er fügt hinzu: Sollten sie während ihres Aufenthalts auf seiner Burg einbüßen, was immer es sein mag, »des wil ich wesen gelt«  wörtlich: dafür wolle er Geld sein.3

Markgraf Rüdiger will Geld sein  seltsam. Er sagt nicht, er wolle Geld für etwas geben oder Geld für etwas haben, nein, er will es sein. Wie ist das möglich? Was von dem, was wir unter Geld verstehen, kann jemand sein? Für uns bedeutet Geld, dass wir etwas damit kaufen können. Doch ein Mittel, etwas zu kaufen, kann Rüdiger nicht sein wollen. Und selbst wenn er dergleichen Mittel nur haben wollte, würde es ihm in dieser S