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Main Data
Author: Anne Siegel
Title: Wo die wilden Frauen wohnen Islands starke Frauen und ihr Leben mit der Natur
Publisher: Piper Verlag
ISBN/ISSN: 9783492996198
Edition: 1
Price: CHF 16.10
Publication date: 01/01/2020
Content
Category: Geschichte
Language: German
Technical Data
Pages: 240
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Island ist ein Land von rauer Schönheit, dominiert von faszinierenden, aber auch extremen Naturgewalten. Die isländische Gesellschaft wurde von diesen besonderen Lebensbedingungen geprägt, und schon immer kam den Frauen darin eine bedeutende Rolle zu. In kaum einem anderen Land genießen Frauen mehr Rechte. Anne Siegel porträtiert in diesem Band zehn Isländerinnen mit spannenden Biografien und einer tiefen Verbundenheit mit der Natur. Ob leidenschaftliche Fliegenfischerin, Leiterin des Katastrophenschutzes, engagierte Ornithologin, pfiffige Bierbrauerin oder Ausnahmetalent Björk - Anne Siegel stellt unterschiedliche Lebensentwürfe vor, erklärt, wie diese mit der Umgebung verwoben sind und wie die Isländerinnen ihre Kraft aus der Natur schöpfen.

Anne Siegel, in Norddeutschland geboren und aufgewachsen, lebt in Köln und San Francisco und arbeitet als Buchautorin, Radio- und TV-Journalistin sowie als Hörspielautorin. 2015 veröffentlichte sie ihr Romandebüt 'Nordbräute'. Außerdem erschienen von ihr mehrere Sachbücher, unter anderem 2016 der viel beachtete Band 'Frauen, Fische, Fjorde' bei MALIK National Geographic sowie 'Señora Gerta', das 2018 als Taschenbuch im Piper Verlag herauskam.
Table of contents

Einleitung


»Wir, die Menschen von Island, wollen eine gerechte Gesellschaft erschaffen, in der gleiche Möglichkeiten für alle herrschen.

Die verschiedenen Quellen unserer Herkunft bereichern das Ganze, und zusammen sehen wir uns verantwortlich für das Erbe von Generationen, für das Erbe des Landes und der Geschichte, der Natur, der Sprache und unserer Kultur.

Island ist ein freier und souveräner Staat, der auf den Eckpfeilern von Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Menschenrechten ruht.

Die Regierung soll für das Wohl der Bewohner dieses Landes arbeiten, seine Kultur stärken und die Vielfalt des menschlichen Lebens, den Boden und seine Biosphäre respektieren.

Wir wünschen die Förderung des Friedens, der Sicherheit, des leiblichen Wohles und des Glücks zwischen uns und zukünftigen Generationen.

Wir beschließen, mit anderen Nationen im Interesse des Friedens zu arbeiten und für den Respekt der Erde und aller Menschen.

In diesem Lichte verabschieden wir eine neue Verfassung, die als das oberste Gesetz dieses Landes von allen aufmerksam verfolgt werden möge.«

(Die Präambel der neuen isländischen Verfassung)

 

Wären wir nicht alle gerne Isländer?

»Tu mir bloß einen Gefallen, und mach daraus nicht so eine schwärmerische Angelegenheit«, sagte meine streitbarste isländische Freundin, als sie hörte, was für ein Buch ich da gerade schrieb. »Wir haben aus der Krise nämlich nichts gelernt.« Da musste ich erst einmal ziemlich schlucken. Für mich sieht es, aus der Ferne betrachtet, nämlich so aus, als wären die Bewohner der größten Vulkaninsel der Erde tüchtige Menschen, die ihre Probleme auf ganz eigene, entspannte Weise lösen.

Isländerinnen und Isländer leben seit der Finanzkrise damit, dass sie für uns, den Rest der Welt, eine perfekte Projektionsfläche darstellen. Schließlich eignet sich ihr Wiederaufstehen nach der Krise geradezu perfekt für unsere eigenen Erlösungssehnsüchte.

Nach dem Niedergang der Banken und ihrer gierigen Manager (von denen einige hinter Gittern landeten) waren Island und seine Menschen im weltweiten Fokus, weil es mutig und selbstbestimmt wirkte, wie das isländische Volk monatelang auf die Straße ging und lautstark demonstrierte. Dabei stand den meisten hier längst das Wasser bis zum Hals, und dem Volk am Polarkreis blieb nichts anderes übrig, als sich an seine ureigenste Fähigkeit zu erinnern und sich mit eigener Kraft aus dem allergrößten Schlamassel zu ziehen. Mit Erdbeben, Vulkanen und Unwettern aller Art kannten sie sich aus, aber ausgerechnet die ökonomische Katastrophe veranlasste die Menschen Islands, sich an die Werte zu erinnern, die für ihre Vorväter und -mütter gegolten hatten: Anstand, Ehrlichkeit und Gemeinsinn.

Was folgte, war ein einzigartiger Selbstfindungsprozess, an dessen Ende das Volk feststellen musste, wer sich alles heimlich am Geld der eigenen Nation bereichert hatte. Die letzten Eliten verloren ihre Posten, als die Panama Papers öffentlich wurden und ein Politiker aus einer der reichsten isländischen Familien vor laufender Kamera demontiert wurde, weil seine heimlichen Kapitalverschiebungen aufflogen.

Dabei hatte sich doch die ganze Nation nach der Krise neu erfunden  oder etwa nicht? Island machte manches anders als andere Demokratien, die in