Login
 
Main Data
Author: Waltraud Seidel
Title: Eingesperrt!? Reiselust und Reisefrust in der DDR, Reiseerzählungen
Publisher: Karina Verlag
ISBN/ISSN: 9783966610735
Edition: 1
Price: CHF 4.80
Publication date: 01/01/2019
Content
Category: Geschichte
Language: German
Technical Data
Pages: 192
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
Ja, wart ihr denn nicht eingesperrt?Ansichtssache!Wer unbedingt in den Alpen klettern, Paris, oder gar New York sehen wollte, der fühlte sich wohl eingesperrt. Wer stattdessen die Berge der Hohen Tatra besteigen, im Moskauer Bolschoi-Theater Schwanensee erleben oder am Balaton und am Schwarzen Meer seinen Badeurlaub verbringen wollte, für den gab es auch als DDR-Bürger wunderschöne Urlaubserlebnisse.Eingesperrt oder eingeschränkt? Der Leser mag selbst entscheiden.

Dr. Waltraud Seidel1942 in Breslau geboren, musste sie als Zweijährige infolge des Krieges aus der schlesischen Heimat flüchten. Im ostthüringischen Altenburg fand die Familie nach monatelangem Umherirren eine zweite Heimat. Hier verlebte sie Kindheit und Schulzeit, die 1960 mit dem Abitur abschloss. An der Universität Leipzig studierte sie Germanistik und Slawistik und schloss 1965 mit dem Staatsexamen als Oberstufenlehrerin für Deutsch und Russisch ab. Nach Eheschließung und Geburt ihrer Tochter folgten wissenschaftliche Aspirantur und Lehrtätigkeit an der Leipziger Universität. 1977 schließlich die Promotion zum Dr. paed. im Bereich des Literaturunterrichts.Bis 1990 Lehrtätigkeit als Dozentin für Literatur am Institut für Lehrerbildung in Altenburg, danach an der dortigen Fachschule für Sozialpädagogik. Schließlich Schulbuchautorin für den Verlag Volk und Wissen/Cornelsen.Als freie Schriftstellerin veröffentlicht sie seit 2014 sowohl Autobiografisches als auch Kinderbücher.
Table of contents

Tschechoslowakei - Jugendreise nach Prag und
in die Hohe Tatra (1960)


Wie hatte es eigentlich angefangen, das Reiseinteresse? Die Ferienzeit in der Kindheit verbrachten wir doch auf der Straße: Haschen und Verstecken, Räuber und Gendarm, Himmelhix, Springseil springen, Radschlagen und im Handstand laufen. Luxus schon das Rollschuhfahren, noch luxuriöser dann - ein eigenes Fahrrad! Stolze Besitzer ließen die anderen mal probieren, ein, zwei oder gar drei Runden um die Häuser.

Ansonsten für drei Wochen auch örtliches Ferienlager mit Mittagstisch und sportlichen Aktivitäten wie Wettrennen, Weitsprung, auf Bäume klettern und Geländespiel, aber auch mit Lesen und Vorlesen und schließlich sogar mit dem Laienspiel für das Abschlussfest. Das war mein Metier.

Viele Kinder fuhren auch ins Betriebsferienlager im Erzgebirge, im Vogtland, im Thüringer Wald, mitunter sogar an der Ostsee. Einzige Bedingung: Ihre Eltern arbeiteten in einem der Großbetriebe, die sich eigene Ferienlager leisten konnten.

Seit der neunten Klasse machte auch ich frühe Reiseerfahrungen. Wir hatten in unserer Penne einen großartigen Klassenlehrer, jung, aktiv, reiselustig, - ein Organisationstalent. In jedem Schuljahr ging es auf Klassenfahrt, zunächst in den Winterferien nach Rittersgrün im Erzgebirge, dann nach Klingenthal im Vogtland. In den großen Ferien nach dem elften Schuljahr das erste Highlight, - Sommer am Ostseestrand! Der Clou aber war unsere Abi-Fahrt, unsere erste Auslandsreise.

Dies war unserem Klassenlehrer gelungen über das Komitee für Touristik und Wandern (KTW), übrigens das spätere Jugendtourist, das von 1956 bis 1974, für die Förderung der Körperkultur, des Schul- und Volkssports und der Touristik verantwortlich und daher viel gefragt war.

Zwei Wochen Tschechoslowakei! Prag und Hohe Tatra als Lohn für das bestandene Abitur.

Mit dem Zug zunächst über Leipzig und Dresden nach Prag.

Aufgeregtes Gewusel, lautes Geschnatter, nur nichts verpassen! Den Rucksack auf dem Rücken, sonst fest im Blick. Wenn auch sparsam das Gepäck, für zwei Wochen musste es reichen!

Endlich Prag Hauptbahnhof! Dort vorn der Lange mit dem Suchschild in der Hand, das war Karel, unser Dolmetscher. Ab gings für zwei Nächte in eine Prager Jugendherberge. Mit Moni teilte ich das Doppelstockbett, - Vorübung für unsere gemeinsame Studentenbude in Leipzig. Sie war für den gleichen Studiengang an der Uni immatrikuliert, ihre Leipziger Tante hatte uns ein Zimmer in deren Nähe versorgt. Klar, dass wir nun auch in der Tatra im Internationalen Studentenlager gemeinsam in einem Zelt schliefen.

Jetzt aber erst mal die Prager Neustadt, morgen dann der
Hradschin. Prag war nicht nur eine Reise wert. Und in zwei Tagen erwartet uns die hohe Bergwelt, was sind wir aufgeregt! Berge, wie sie noch keiner von uns gesehen hat. Wo auch?

Zuerst mit der Straßenbahn zum Wenzelsplatz. Was für eine Prachtstraße! Eher eine Allee als ein Platz, von Linden umsäumt! Und lecker Eis gibt es hier, Zmrzlina! Nie habe ich dieses Wort vergessen. Mein erstes Softeis! Zu Hause bislang unbekannt.

Karel erzählt, hier sei früher der Rossmarkt gewesen, seit dem 14. Jahrhundert bereits, das war die Zeit von Karl IV. Nach dem Heiligen Wenzel von Böhmen wurde er erst Mitte des 19. Jahrhunderts benannt. Wir stehen am Wenzelsdenkmal, betrachten den heiligen Wenzel auf seinem Pferd, wohlbeschützt in Rüstung mit Harnisch und Lanze. Von hier hat man einen herrlichen Blick den Wenzelspla