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Hauptdaten
Autor: Shoko Tendo
Titel: Ich, Tochter eines Yakuza
Verlag: riva Verlag
ISBN/ISSN: 9783864130502
Auflage: 1
Preis : CHF 14.50
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Biografien
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 240
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Inhaltsangabe
**Überlebenskampf im Untergrund von Tokio** Geboren als Tochter eines Yakuza-Bosses, wächst Shoko Tendo in den 1970er-Jahren in einer zwar von Luxus geprägten, aber doch bedrohlichen Umgebung auf. An ihrer Schule wird sie als 'Yakuza-Kind', also Mafia-Kind, von Schülern und Lehrern gemobbt. Sie tritt einer gewalttätigen Yanki-Girl-Gang bei und beginnt schon mit 12 Jahren, Speed zu konsumieren. Mit 15 wird sie zu einem achtmonatigen Aufenthalt in einer Besserungsanstalt verurteilt. Drogensucht, Armut, psychischer und sexueller Missbrauch ziehen das junge Mädchen immer weiter in den Abgrund. Sie verliert zunächst ihre Eltern, erleidet dann eine Fehlgeburt und gerät immer wieder an brutale Yakuza-Männer, die sie nur als Nebenfrau für amouröse Treffen benutzen. Mehrmals versucht sie, sich umzubringen, bis die Entscheidung, sich tätowieren zu lassen, ihrem Leben die entscheidende Wende gibt. In nüchterner, klarer Sprache und ohne jede Bitterkeit zeichnet Shoko Tendo das Porträt ihres von Gewalt und Missbrauch geprägten Lebens und gewährt tiefe persönliche Einblicke in die dunklen Seiten der japanischen Gesellschaft. Ein erschütternd ehrliches und tief bewegendes Buch.

Shoko Tendo wurde 1969 als Tochter eines hochrangigen Mitglieds der japanischen Yakuza in Tokio geboren und wurde schon früh mit Gewalt, harten Drogen und sexuellem Missbrauch konfrontiert. Heute lebt sie mit ihrer kleinen Tochter in Japan. Ihre Autobiografie ist ein Bestseller in Japan und in den USA und wurde in rund ein Dutzend weitere Länder verkauft.
Inhaltsangabe

1. WOLKEN, DIE VORÜBERZIEHEN


Im Winter 1968 wurde ich als Tochter eines Yakuza geboren.

Ich war die zweite Tochter meines Vaters Hiroyasu und meiner Mutter Satomi Tendo. Insgesamt waren wir vier Geschwister: Mein großer Bruder Daiki war zwölf Jahre älter als ich, meine Schwester Maki war zwei Jahre älter und unsere Jüngste, Natsuki, war fünf Jahre jünger als ich. Daiki war für mich immer mein »großer Bruder«, Maki war »Maki-chan5« und Natsuki immer »Na-chan«.

Anfangs wohnten wir in einem Haus in Toyonaka, im Norden von Osaka, doch schon bald zogen wir in ein neues Haus im vornehmen Sakai. Es war ein wunderschönes Haus, das zur Straße hin von großen eisernen Flügeltoren abgeschirmt wurde, herrliche Rhododendren blühten auf beiden Seiten eines Weges aus Pflastersteinen, der zum Eingang führte. Unsere Eltern und jeder von uns hatte ein eigenes Schlafzimmer, es gab ein Ankleidezimmer, ein Esszimmer, zwei Zimmer im japanischen Stil mit Tatami-Matten und ein Geschäftszimmer im westlichen Stil, in dem Vater seine Geschäftspartner empfing. Weil das ganze Haus so neu war, wehte noch der Duft von frischem Holz durch alle Zimmer. Alles war viel zu groß für uns, es gab mehr Platz, als wir eigentlich brauchten.

Vor meinem Schlafzimmerfenster stand ein großer Kirschbaum, der immer erst sehr spät im Jahr blühte und fast ein guter Freund für mich war. Hatte ich Probleme oder Sorgen, dann setzte ich mich unter seine Zweige und fühlte mich dort geborgen. Vor unserem Wohnzimmer war ein großer Teich, in dem vielfarbige Koi-Karpfen anmutig ihre Bahnen zogen. Wenn es Sommer wurde, waren wir im Pool auf der anderen Seite des Hauses und spielten dort den ganzen Tag, wobei wir oft völlig die Zeit vergaßen.

Mein Vater war ein Yakuza-Boss, aber daneben besaß er noch Firmen in drei Bereichen: Hoch- und Tiefbau, Konstruktion und Immobilien. Unser Vater war unser Held. Er liebte Autos, war völlig verrückt danach. In unserer Garage parkten immer die neuesten ausländischen und japanischen Autos, natürlich hatte er auch Motorräder, Harleys und andere, sie alle standen wie in einem Autosalon glänzend und frisch poliert nebeneinander.

Selbstverständlich war mein Vater nie mit dem Standardmodell zufrieden, die Motoren mussten alle getunt werden. Wenn ein anderer aufgemotzter Wagen an der Ampel neben ihm stand, provozierte er gern den Fahrer, ließ den Motor wie bei einem illegalen Straßenrennen aufheulen, und sobald es grün wurde, rasten dann beide Autos los. Mein Vater fühlte sich mit dem Steuer in der Hand genauso glücklich wie ein Fisch im Wasser. Mama dagegen saß immer besorgt auf dem Beifahrersitz und warnte: »Nicht so schnell, das ist doch gefährlich!«

Mir konnte es gar nicht schnell genug gehen.

Am Wochenende gingen wir immer alle zusammen shoppen und dann essen. Wenn wir ausgingen, war die Krokoleder-Geldbörse meines Vaters so prall und voll wie ein Reptil, das gerade einen fetten Fisch verschlungen hatte. Bevor es l