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Hauptdaten
Autor: Erich Schröger, Stefan Koelsch
Herausgeber: Erich Schröger, Stefan Koelsch
Titel: Affektive und Kognitive Neurowissenschaft Reihe: Enzyklopädie der Psychologie
Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
ISBN/ISSN: 9783840915147
Auflage: 1
Preis : CHF 125.30
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Psychologie
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 502
Kopierschutz: Wasserzeichen/DRM
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: PDF
Inhaltsangabe
Neben der Kognitiven Neurowissenschaft hat sich in den letzten Jahren auch eine Affektive Neurowissenschaft etabliert, die neurobiologische Korrelate emotionaler Prozesse untersucht. In diesem Band stellen führende Autorinnen und Autoren aktuelle Entwicklungen aus diesem Bereich der Hirnforschung vor. Die behandelten Themen umfassen zunächst Prozesse des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der auditiven und visuellen Wahrnehmung und der Erinnerung. Weitere Beiträge thematisieren sprachliche Komponenten, wie den Erwerb künstlicher Grammatiken, Spracherwerb und affektive Prosodie. Empathie, Emotionen sowie Musikverarbeitung werden aus neurobiologischer Sicht erörtert. Schließlich werden die neurowissenschaftlichen Grundlagen komplexer Kognitionen und Herausforderungen der neurokognitiven Modellierung ­diskutiert. Die Beiträge zeigen auf, dass sich die klassische Dichotomie zwischen Affekt und Kognition zunehmend auflöst und regen so zur weiteren Entwicklung dieses Fachgebiets an.
Inhaltsangabe
1. Kapitel Bemerkungen zu einer Affektiven und Kognitiven Neurowissenschaft Erich Schröger und Stefan Koelsch

1 Das Verhältnis von Affekt und Kognition

Im Alltag, in Kunst und Kultur sowie in der Wissenschaft werden Affekt und Kognition oft als inkompatible Phänomene aufgefasst. Dies drückt sich auch in unserer Alltagspsychologie aus: Wenn man sich von seinen Kognitionen leiten lässt, verhält man sich rational, wenn man sich von seinen Affekten beherrschen lässt, verhält man sich emotional.1 Rationales Handeln wird häufig als geeignet zur Realisierung der eigenen Absichten betrachtet, emotionales Verhalten dagegen oft als dysfunktional zur Zielerreichung angesehen. Wenn man sich rational verhält, gilt man als verantwortlich für sein Handeln, wenn man sich emotional verhält, werden die Ursachen für das Verhalten weniger im freien Willen der handelnden Person gesehen als vielmehr in ihren Motiven (im Extremfall gilt man sogar als juristisch nicht verantwortlich für sein Handeln).

So sehr die Dichotomie zwischen Affekt und Kognition im subjektiven zutreffen mag und so berechtigt eine getrennte Behandlung in unterschiedlichen Kapiteln oder gar unterschiedlichen Büchern der einschlägigen Lehrbücher der Psychologie sein mag, so offensichtlich ist auch, dass beide Phänomene viel miteinander zu tun haben: Beispielsweise sind Emotionen oft involviert in Gedächtnisund Entscheidungsprozesse (welche traditionell eher als kognitiv aufgefasst werden) und kognitive Bewertungsprozesse (appraisals) rufen oft Emotionen hervor. Neurobiologisch scheinen bestimmte affektive und kognitive Prozesse in einigen Hirnstrukturen ko-lokalisiert zu sein, beispielsweise bindungsbezogene Affekte sowie Gedächtnisprozesse in der Hippocampusformation, oder Kontrolle emotionalen Verhaltens sowie Entscheidungsprozesse im Orbitofrontalkortex.

2 Neurowissenschaft als Ergänzung der Psychologie

Affekt und Kognition haben auch deswegen viel miteinander zu tun, weil sie beide durch Vorgänge im zentralen Nervensystem (ZNS) in Relation zum Rest unseres Körpers realisiert werden: Neben dem ZNS ist auch das periphere Nervensystem (einschließlich des vegetativen Systems), das endokrine System sowie das Immunsystem und damit alle inneren Organe an der Entstehung und an der Manifestation dieser Phänomene beteiligt (vgl. u. a. die Bände der Serie Biologische Psychologie der Enzyklopädie der Psychologie, z. B. Born & Debus, 1998; Kirschbaum & Hellhammer, 1999). Die Grundlagendisziplinen der Psychologie als Wissenschaft vom Erleben und Verhalten beziehen zunehmend eine neurowissenschaftliche Perspektive ein. Dies erschließt wichtige Methoden zur Untersuchung psychischer Phänomene  wie etwa die funktionelle Bildgebung  und ergänzt psychologische Erklärungsmodelle um Aspekte der neurobiologischen Korrelate psychischer Phänomene.

Es ist daher zu begrüßen, wenn sich die Hirnforschung zunehmend diesen Themen widmet. Verbunden mit der Entwicklung von Verfahren, die zum einen die zeitliche und räumliche Messung von Hirnaktivität ermöglichen, während das Gehirn affektiv und kognitiv aktiv ist, und die zum anderen auch die gezielte, nicht invasive Modulation dieser Hirnaktivität erlauben, haben sich in den letzten Jahrzehnten eine Kognitive Neurowissenschaft und eine Affektive Neurowissenschaft entwickelt. Als Messverfahren seien hier beispielhaft die Elektroenzephalografie (EEG), die Magnetenzephalografie (MEG), die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) und die Diffusions-Tensor-Bildgebung erwähnt sowie als Modulationsverfahren (mit denen Hirnaktivität beeinflusst werden kann) die transkranielle Magnetstimulation (TMS) und die transkranielle Gleichstromstimulation.

Unter der Annahme, dass Gehirnaktivität besonders wichtig bei der Generierung und dem Ausdruck affektiver und kognitiver Zustände und Prozesse ist, kann man sich vorstellen, wie sehr die Entwicklung und Anwendung dieser Methoden unser Wissen über Affekt und Kognition in den letzten Jahren vorangebracht hat (oder zumindest haben könnte), und man kann spekulieren, welche Erkenntnisfortschritte in den nächsten Jahren noch zu erwarten sind. Wir stecken möglicherweise mitten in einer Revolution der Wissenschaft von der Emotion und der Kognition!
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis11
1. Kapitel: Bemerkungen zu einer Affektiven und Kognitiven Neurowissenschaft21
1 Das Verhältnis von Affekt und Kognition21
2 Neurowissenschaft als Ergänzung der Psychologie22
3 Der Informationsverarbeitungsansatz als Rahmentheorie fu¨r Affekt und Kognition23
4 Beiträge zu einer Affektiven und Kognitiven Neurowissenschaft24
5 Affektiv-kognitive Neurowissenschaft: Neuer Wein in alten Schläuchen? Alter Wein in neuen Schläuchen?28
Literatur29
2. Kapitel: Prädiktive Modellierungin der auditiven Wahrnehmung31
1 Einleitung32
2 Empirische Untersuchungen zur Prädiktion35
3 Implikationen der prädiktiven Modellierung53
4 Fazit und Ausblick58
Literatur59
3. Kapitel: Bewusstsein und Aufmerksamkeit67
1 Methodische Voru¨berlegungen67
2 Neuronale Korrelate bewusster und unbewusster Reizverarbeitung75
3 Bewusstseinsinhalte79
4 Bewusstsein, Selektion und Aufmerksamkeit95
Literatur98
4. Kapitel: Die Interaktion von Emotion und Aufmerksamkeit im Wettkampf um Verarbeitungsressourcen im menschlichen visuellen Kortex105
1 Einleitung106
2 Emotionale Stimuli und Aufmerksamkeit107
3 Emotionale Bilder ziehen reflexiv Aufmerksamkeit auf sich112
4 Emotionale Stimuli stehen unter Top-down-Kontrolle113
5 Räumliche Anordnung der Stimuli und zeitliche Prozesse des Wettbewerbs um Verarbeitungsressourcen115
6 Die Rolle der Mandelkerne als Emotionszentrum130
7 Schlussfolgerungen132
Literatur133
5. Kapitel: Empathie139
1 Einleitung139
2 Definitionen140
3 Empathie in den Sozialen Neurowissenschaften: Die Hypothese geteilter neuronaler Netzwerke142
4 Top-down-Einflu¨sse auf Empathie152
5 Empathie in klinischen Populationen158
6 Fazit und Ausblick161
Literatur164
6. Kapitel: Neurokognition des Erinnerns175
1 Zwei-Prozess-Modelle des Wiedererkennens175
2 Elektrophysiologische Indikatoren des Erinnerns179
3 Assoziatives Erinnern183
4 Die funktionelle Bedeutung der Alt/neu-Effekte188
5 Strategische Aspekte des Erinnerns189
6 Neuronale Grundlagen des Wiedererkennens196
7 Fazit und Ausblick200
Literatur200
7. Kapitel: Erwerb ku¨nstlicher Grammatiken209
1 Einleitung209
2 AGL als Modell fu¨r Lernen212
3 AGL als Modell fu¨r Spracherwerb226
4 Schlussfolgerungen und Ausblick239
Literatur240
8. Kapitel: Neurokognition des Sprachverstehens bei Gesunden und Patienten mit fokalen zerebralen Läsionen251
1 Syntaktische Verarbeitung252
2 Semantische Verarbeitung255
3 Grenzgänger: Schnittstellen in der Sprachverarbeitung  ein Ausblick260
4 Fazit und Ausblick266
Literatur266
9. Kapitel: Affektive Prosodie273
1 Einleitung274
2 Stimulusassoziierte Hirnaktivierung bei der Verarbeitung emotionaler Prosodie275
3 Aufmerksamkeitsabhängige Hirnaktivierung bei der Verarbeitung affektiver Prosodie277
4 Validierung stimulusassoziierter und aufmerksamkeitsabhän