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Hauptdaten
Autor: Stefan Siegert
Titel: Bravo, bravissimo! Oper für Einsteiger. Mit Illustrationen
Verlag: Reclam Verlag
ISBN/ISSN: 9783159603704
Auflage: 1
Preis : CHF 9.30
Erscheinungsdatum:
Inhalt
Kategorie: Musik/Tanz/Theater/Film
Sprache: German
Technische Daten
Seiten: 224
Kopierschutz: Wasserzeichen
Geräte: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Inhaltsangabe
Oper, eine verstaubte Angelegenheit? Mitnichten. Gerade in den letzten Jahren hat die Oper einen Popularitätsschub erlebt. Zum einen verdankt sich dies sicherlich Musikerpersönlichkeiten wie Anna Netrebko, Jonas Kaufmann oder Rolando Villazón, zum anderen Live-Übertragungen aus großen Häusern. Die Met im Kino, Public Viewing in München, Bayreuth Open Air - Oper, das ist neben Kultur längst auch Event, Lebensgefühl. Stefan Siegerts E-Book richtet sich an alle, die das Musiktheater noch nicht so gut kennen, und es will vor allem eins: Appetit machen. Auf die Ränke des gewitzten Frisörs Figaro, auf Rigolettos mitreißende Tragik oder das hintersinnige Intrigenspiel der 'Pique Dame'. Wer sich auf die spannend erzählten Texte einlässt, merkt schnell: Je nach Sachlage können Opernhandlungen Krimis sein, Liebesabenteuer, Eifersuchtstragödien, Märchen. Und das alles mit Musik. Zur Veranschaulichung zückt der Autor neben der Schreib- die Zeichenfeder; in humorvoll-pointierten Illustrationen führt er Bühnenfiguren und -geschehen der 17 vorgestellten Opern auch optisch vor Augen. Für alle, die mehr wissen wollen, geben Interviews mit dem durch die beliebte CD-Reihe der Deutschen Grammophon bekannten 'Holzwurm der Oper' zusätzlich Einblicke in historische Besonderheiten und zeitgeschichtliche Hintergründe der einzelnen Werke.
Inhaltsangabe

Claudio Monteverdi

1567–1643

Orpheus

L’Orfeo

Favola in musica in einem Prolog und 5 Akten
Text von Alessandro Striggio
Uraufführung am 24. Februar 1607 im herzoglichen Palast von Mantua

PERSONEN:

La Musica / Die Musik – Sopran

Orfeo/Orpheus – Tenor oder Bariton

Euridice/Eurydike, eine Nymphe – Sopran

Vier Hirten – Tenor, Bariton, Bass

Botin – Mezzosopran

La Speranza / Die Hoffnung – Sopran

Charon – Bass

Proserpina – Mezzosopran

Pluto – Bass

Apollo – Tenor oder Bariton

Nymphe – Sopran

Weitere Hirten und Nymphen, Geister

ORT UND ZEIT:

Thrakien und die Unterwelt in mythischer Vorzeit

Es riecht nach Oliven, nach Sonne und warmem Staub. Die Erde ist trocken von Hitze, blau ohne Wolken der Himmel und uralt und knorrig das Holz und die Zweige der Bäume im flirrenden Licht. Dort aber, wo jetzt die Hirten mit den Nymphen tanzen, duftet es grün und frisch. Die Hüterinnen und guten Geister der Natur sind herabgestiegen von den Bergen, sie haben sich für diesen Tag getrennt von ihren Quellen und lieblichen Flüssen dort oben in den Gefilden der Götter, sie wollen nur noch fröhlich sein. Denn Orfeo heiratet, der Sänger der Welt. Er rührt mit dem Klang seiner Stimme nicht nur die Menschen, nein, auch die Tiere, die Bäume und Blumen. Orfeo kann singend die Felder und Wiesen, ja selbst die Steine zum Weinen bringen. Der Mond und die Sterne scheinen heller zu leuchten, wenn Orfeo singt. Und jetzt ist er mitten unter ihnen! Die Hirten freuen sich. »Wir haben gehört, dass du mit deiner Zauberharfe dafür sorgst, dass Täler und Hügel jubeln. Sing doch auch uns ein Lied, mal sehen, was mit uns geschieht!« Zwischen zwei alten Olivenbäumen tritt Euridice hervor. Orfeos Augen liebkosen die Schönheit seiner Braut. Er lacht und beginnt, auf seiner Harfe zu spielen. »Rose des Himmels, Sonne, die alles umschließt und alles erblickt, sag mir, hast du wohl je einen glücklicher Liebenden gesehen?« Euridice schmiegt sich an ihn. Melos und Myrtenblütenluft durchdringen einander. Den Hirten und Nymphen ist, als fließe, statt schwerem Blut, ein helles und leichtes Glück durch ihre Adern. Sie flechten Blumen und Blätter in Euridices Haar. Auch Euridice, als sie jetzt mit ihrem Mann tanzt, ist glücklich. Sie ist es seit jenem Tag, da ihre schmale weiße Hand sich in die seine legte. Seitdem haben die schweren Wolken sich aus ihrem Leben verzogen und auch Orfeo scheint wie befreit von düsteren Stimmungen und Tränen, von Seufzern und Klagen. Sie trennen sich erst spät an diesem Tag.

Zurück in den Wäldern sehnt sich Orfeo nach seiner Frau. Der Schatten der Buchen ist kühl und angenehm. »Spiel uns auf deiner Leier, Orfeo!« Hirten und Nymphen des Waldes umgeben ihn. Tief saugt er den Duft der Eukalyptusbäume ein und lässt seine Kunst ausströmen in eine geneigte Welt. Ein schrilles Klagen zerreißt die Harmonie. »O Orfeo, welch’ Verhängnis!« Wer wagt es? Eine Nymphe, die beste Freundin Euridices, kommt auf ihn zu. Was ist geschehen? »Weh mir, dass ich es bin, die es dir sagen muss: Euridice ist tot!« Fast wirft ihn um, was er da hört: »Wir pflückten Blumen auf der großen Wiese. Da biss eine Giftschlange zu, direkt in ihren Fuß. Sie sank zu Boden. Dein Name, Orfeo, verhauchte noch aus ihrem Mund, dann war sie tot!« »Und ich – ich lebe!« Orfeos herrliche Stimme klingt wie zerbrochen. Er verbirgt sein Gesicht in den Händen. »Und ich muss bleiben?« Nein! Er hat ja noch die Macht seiner Lieder! »Mit ihnen dring’ ich hinab in höllentiefes Dunkel. Ich werde mit der Macht der Kunst das Herz des Herrschers der Unterwelt gewinnen, werde zurückführen ans Licht der Sonne die Geliebte. Und scheitere ich, so bleibe ich bei ihr im Reich der Toten!« Selbst untröstlich, versuchen die Hirten, ihn zu trösten. Sie gehen, um den sterblichen Überresten Euridices die letzte Ehre zu erweisen. Auch Orfeo macht sich auf.

Es wird immer finsterer auf dem Weg. Orfeo wäre jetzt ohne allen Mut, wäre nicht die Hoffnung bei ihm, sie trägt ein langes Gewand und Flügel auf dem Rücken, ihre Stimme klingt mild und zuversichtlich. Sie kommen an den Fluss Acheron, auf dessen jenseitigem Ufer sich das Tor zur Hölle öffnet. »Ich muss dich verlassen, schöner Sänger.« Die Hoffnung legt eine Hand auf Orfeos Arm. »Dort drüben liegt es, das dunkle Schattenreich, wo du dein Herzallerliebstes findest. Und dort kommt auch schon der Fährmann, er bringt dich hinüber. Mir aber verbietet das Gesetz, dich weiter zu begleiten. Denn im Stein überm Eingang zur Hölle steht: ›Ihr, die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren!‹ Lebe also wohl.« Die Hoffnung umarmt Orfeo sanft und entfernt sich. Die tiefdunkle Stimme des Fährmanns erklingt, sein Kahn schwankt. »Den Lebenden ist es verboten, die Hölle zu betreten, du aber lebst. Willst du etwa den Wachhund der Hölle vertreiben, den Cerberus? Oder willst du Proserpina rauben, unseres Fürsten Gemahlin? Verschwinde! Ich werde dich niemals hinüberbringen.« Orfeo spielt die Leier. Seine Worte, mehr Gesang als Sprechen, schmeicheln der Luft und dem Wasser: »Muss ich denn, wie ein unbegrabener Leichnam, umherirren zwischen Himmel und Hölle als unglücklicher Schatten? Dort drüben weilt mein Liebstes, Euridice, mein Glück, ich will es wiederhaben.« Der Alte aber ist eingeschlafen vom Gesang; auch solche Wirkung hat Orfeos Kunst. Der Sänger packt das Ruder, stößt vom Ufer ab und lenkt die Barke über den Fluss. Lange noch klingt sein Gesang über die schwarzen Wasser